Ankommen

Da sitze ich nun.
Mitten im Lehrerzimmer.
Bin dort, wo ich schon so lange sein wollte und trotzdem fühlt es sich noch falsch an.
Die ersten Tage an der Schule waren geprägt von fehlender Organisation, überraschten Lehrern, wenn man dort hospitieren wollte oder musste und vielen neuen Gesichtern und Namen.
Der Rollenwechsel fällt nicht leicht. Das mag auch damit zusammenhängen, dass ich noch keine sechs Jahre aus der Schule raus bin.
Noch sitzen wir zwischen den Stühlen – keine wirklichen Lehrer, aber auch keine Schüler mehr.
Bei Gesprächen im Lehrerzimmer über die Faulheit der Schüler muss man innerlich grinsen, weil man vor wenigen Jahren genauso faul war. Und den Abschluss trotzdem geschafft hat. Im Unterricht beobachtet man, wie Zettelchen durch die Gegend gereicht werden und schwankt, ob man es schön finden soll, dass noch wirklich analog Zettel geschrieben werden statt SMS.

Und immer wieder fallen einem die Worte aus dem Studienseminar ein: das Referendariat ist der Beginn, der Startschuss, um seine eigene Lehrerpersönlichkeit , ein eigenes Profil zu entwickeln.
Täglich schwankt es zwischen: „ich greife später hart durch, wenn es sein muss“ und „ach, über solche Kleinigkeiten kann man schon mal hinwegsehen“.
Selbstreflexion ist ein wirklich hartes Stück Arbeit.
Dabei gilt es nicht nur herauszufinden, wer man selbst sein möchte, sondern auch, wer man selbst sein kann. Es ist also auch immer eine Typfrage, wie man von anderen wahrgenommen wird.
Schlussendlich ist das Referendariat eine Reise zum eigenen Lehrer-Ich.

 

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3 Gedanken zu „Ankommen

  1. Und egal welche Statistik man schüttelt, das bedeutsamste Kriterium für guten Unterricht ist die Lehrerpersönlichkeit, das Lehrer-Ich. Und da gibt es nicht mal ein Idealbild, sondern verschiedene Typen können Schüler beflügeln. In diesem Sinne: Viel Erfolg bei der Reise.

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    1. Vielen lieben Dank!
      Das fehlende Idealbild macht die Sache ja noch komplexer. So könnte man nach etwas konkretem streben. Aber bei der großen Vielfalt ist es gar nicht so einfach. Allerdings hat das auch Vorteile, weil man sich selbst finden und entwickeln kann, ohne nach Schema F suchen zu müssen!

      Gefällt 1 Person

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