Vorurteile

Wir haben sie alle und können uns nur selten frei machen davon: Vorurteile.
Und dennoch nimmt man sich immer wieder vor, an die nächste Person vorurteilsfrei heranzugehen.
Wie funktioniert das aber im System Schule, wenn man als Neuling dazukommen?

Richtig!

Gar nicht.

„Also mit der 6a hätten Sie keinen Spaß. Die ist zwar ruhig, aber da kommt nix.“
„Sie wollen in der Klasse unterrichten? Sind Sie sicher?“
„Jaaaaa. Ganz schwierige Klasse. Viel Erfolg.“
„Boah, Peter ist wirklich nervig. Der stört ständig den Unterricht. “
„Lisa ist mit Abstand die Leistungsstärkste aus der Klasse.“
Man könnte das jetzt ewig fortführen, aber das wäre ja nicht zielführend.

Mich ärgern solche Gespräche jedenfalls oft. Man bekommt gar nicht mehr die Gelegenheit, völlig unvoreingenommen in eine Klasse zu gehen und alle neu kennenzulernen. Und das bisher gewonnen Bild dann zu überarbeiten, kostet meist auch Kraft und Mühe, die die wenigstens Lehrer bereit sind, aufzubringen.
Es ist natürlich auch nicht falsch, uns Referendare ein wenig in Schutz zu nehmen und auf Schwierigkeiten hinzuweisen, aber ob es immer wirklich nötig und vor allem objektiv berechtigt ist…?!

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5 Gedanken zu „Vorurteile

  1. Ich denke, solange du dir darüber im Klaren bist, welche Mechanismen da (ggf.) zum Tragen kommen, ist das alles halb so wild. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man sich vornimmt, seine eigenen Beobachtungen zu machen und dass man für Selbige dann auch offen ist. Da kann der Abgleich mit den (Vor-)Warnungen mitunter umso spannender werden. 😉

    (Über meine Kleinen wurde mir berichtet, sie seien so ungewöhnlich still und passiv, die Mitarbeit betreffend. Ich dürfe mich also nicht wundern, wenn dort immer nur 3-4 Finger hochgingen, es läge nicht an mir. – Von Anfang an ergab sich für mich jedoch ein anderes Bild. Eher sind es 4-5 Finger, die nie hochgehen, während alle anderen sich immer oder wenigstens regelmäßig beteiligen.)

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    1. Ich war offen und wurde bitterlich enttäuscht. Es war tatsächlich so, wie es vorhergesagt wurde: es gab drei Störenfriede, die so dermaßen die Klasse aufgemischt haben, dass Unterricht unmöglich war. Mir taten alle anderen so leid, die darunter zu leiden hatten und das auch nicht so haben wollten. War Gott sei Dank auch „nur“ ne Vertretungsstunde, aber ärgerlich und unbefriedigend war es dennoch.

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  2. Ich versuch mir immer erst ein eigenes Bild zu machen. Manchmal machen bei mir SuS mit, die woanders schweigen und manchmal sind SuS, die bei anderen Unterrichtstragend sind bei mir die größten Schnarchnasen. Lehrerpersönlichkeit und Fachvorlieben und so…

    Aber nach spätestens 2 Wochen hole ich Informationen über die ein, die da vor meiner Nase sitzen, d.h. ich geh die Liste mit unserer Schulpsychologin durch. Ich möchte nicht nochmal bei einem Halbjahreselternsprechtag auf die Frage „Wissen Sie eigentlich, das mein Sohn Autist ist?“ mit „Nein…“ antworten müssen.
    „… aber ich gratuliere, dass er sich so gut entwickelt hat, das ich ihm das garnicht anmerke.“ hat die Sache da nur so halb gerettet.

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  3. Eine meiner Praxissemester-Kolleginnen hat die Klasse 8b vergöttert. Sie kam super mit denen klar, es war überhaupt kein Thema, sie hat auch ihre „Lehrproben“ (sowas haben wir unbenoteterweise auch im Praxissemester) dort gemacht.
    Erst im Laufe des Semesters haben wir mitbekommen, dass wegen der Klasse ständig Klassenkonferenzen einberufen werden, weil sie anscheinend so schwierig sei. Ich habe mal eine Kollegin gefragt, ob ich in einem meiner Fächer dort hospitieren könnte. „BEI DER 8B??? Nee, also bei jeder anderen Klasse, aber doch nicht BEI DENEN! Mit denen muss ich ja selbst erst klar kommen!“
    … 😉

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  4. Liebe Kollegin,

    die Aufgabe einer LehrerIn wird es vor allem sein, diese drei Störenfriede so zu lenken (da gibt es zahlreiche Mittel, die nicht nur mit „Bestrafung“ einhergehen – oft reicht ansprechender Unterricht 😉
    um den anderen einen Unterricht ermöglichen zu können. Alles andere findet sich dann.
    Die Schüler verzeihen vieles. Aber eine Sache haben ALLE Klassen gemeinsam: sie wollen etwas lernen. Und die wenigen, die sich in den Vordergrund drängen – auch! Die brauchen eine klare Linie und dann laufen sie auch. Ein Erfolgserlebnis hat noch jeden in die richtige Bahn gebracht. Und das meine ich nicht negativ!
    Es gibt kein Rezept aber zwei Grundsätze, die einem den Beruf erleichtern:
    1. den eignen Spaß am Fach und dessen Vermittlung
    2. Spaß am Arbeiten mit jungen Menschen
    Meine 15 Jahre Erfahrung in einer „Brennpunktschule“ haben mir vieles gelehrt. Vor allem, dass man jede/r/m eine Chance aufs Lernen geben muss. DAS ist unsere Aufgabe. Vermittlung von Wissen und die Schaffung der notwendigen Voraussetzungen dafür! Es gibt nichts Schlimmeres als in
    verzweifelte Augen von jungen Leuten zu blicken, deren Schulleben von ziellosem/hilflosem Lehrerklientel und nervenden Klassenkameraden geprägt ist.
    Also nur Mut: hier bist DU, deine „Kunden“ und dein Fach…
    Dann wird dieser Beruf das Erfüllendste sein, was es gibt!
    (und in meiner Lehrerzeit habe ich genau EINEN Schüler erlebt, der wirklich keine Lust auf Nix hatte. Und den Rest kriegt man immer mit Engagement, Motivation, der richtigen Einstellung und einer gesunden Portion Neugier auf das Gegenüber 😉

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