Die ersten Gehversuche

Jetzt in den Ferien ist endlich wieder Zeit, sich hier mal wieder zu Wort zu melden.

So wirklich regelmäßig läuft nämlich bisher noch nicht so viel, weshalb ich bisher auch nur wenig und sehr unregelmäßig unterrichtet habe. Man hangelt sich so zwischen den offiziellen Bestimmungen über zu absolvierende Stunden und den Absprachen mit der Schule hin und her. Die Stunden, die auf dem Papier stehen sind jedoch nicht unbedingt die, die unterrichtet werden.
Aber nach den Fachleiterwochen, in denen wir wieder aus dem Alltagsgeschäft an der eigenen Schule gerissen wurden, war es nun endlich möglich, anzukommen. Immer mehr Kollegen und vor allem Schüler kennt man nun namentlich und fühlt sich im Lehrerzimmer nicht mehr ganz so fremd. Und noch genießt man die Sonderstellung als Referendar.
„Frau Lottaaaaaaa? Unterrichten Sie jetzt bei uns weiter? Das macht viel mehr Spaß!“
„Können Sie jetzt öfter zu uns in den Unterricht kommen? Da gehen die Stunden viel schneller um.“

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Noch haben die Schüler nicht so ganz gemerkt, dass auch ich „auf der anderen Seite“ stehe. Und während ich das schreibe, fällt mir auf, dass es eigentlich schade ist, diese Unterscheidung treffen zu müssen. Wieso stehen die Schüler auf der einen und die Lehrer auf der anderen Seite? Müssten wir nicht auf der Seite der Schüler stehen, sie beim Lernen begleiten und ihnen den Rücken stärken? Und dennoch: so sehr man sich das wünschen würde, so utopisch scheint der Wunsch. Denn solange wir die Schüler benoten und auch mal unbequeme Anforderungen stellen, werden wir auch immer aus ihrer Sicht auf der anderen Seite stehen.

Die ersten Gehversuche waren jedenfalls erfolgreich. Mein großer Vorteil war bisher, dass sich mein  Unterricht sehr auf eine Klasse konzentriert hat, sodass ich da sehr schnell wusste, wer mitarbeitet, wer stört und wen man manchmal sanft bitten muss, damit mitgearbeitet wird. Das Feedback der Lehrer war bisher auch positiv und mir macht es enorm viel Spaß, vor der Klasse zu stehen. Auch wenn es bisher noch ein hohes Maß an Konzentration fordert. Wie viel Zeit bleibt noch für die Phase? Wieso haben die Schüler das jetzt so schnell herausgefunden? Wieso kommen die Schüler nicht auf die Lösung? Sind die Aufgaben zu schwer? Zu leicht? Und wie soll ich mir bei all dem später nebenbei noch merken, wer mitgearbeitet hat?
Jetzt heißt es aber erstmal: Ferien genießen und mit etwas mehr Ruhe und Zeit den folgenden Unterricht vorbereiten. Und da wartet direkt eine große Herausforderung: eine komplette Stoffeinheit in der Oberstufe zu Frühlingserwachen von Wedekind planen und erstellen.

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2 Gedanken zu „Die ersten Gehversuche

  1. Hallo, Lotta,
    wenn man auf der anderen Seite steht, muss das nicht bedeuten, dass man nicht auf der Seite der Schüler steht – das ist das ganze Geheimnis von Wertschätzung und Respekt, das eine der Bedingungen erfolgreichen Unterrichtens resp. Lernen ist.
    Dem stehen nicht nur Notenerwartungen der Eltern entgegen, sondern auch verfestigte Sichtweisen (auf beiden Seiten). Ich habe gelegentlich „einen schönen Fehler“ gelobt und dafür auch eine 2 angeschrieben (besser wäre eine 1): Ein schöner Fehler ist ein Fehler, an dem man zeigen kann, wie jemand gedacht, und zwar falsch gedacht hat – um dann zu zeigen, wie es richtig geht (denke an Brecht: Lob der guten Leute). Dieses Lob haben die Schüler (zumindest anfangs) teilweise nicht verstanden und es für eine ironische Bemerkung gehalten (und mit Lachen quittiert); dabei war es völlig ernst gemeint.
    Das ist vielleicht ein Beispiel, mit welchem du auch Schülern zeigen kannst, dass du nicht „gegen“ sie stehst; oder wenn du eine 1 anschreibst, wenn dir jemand einen Fehler nachweist (Wer besser als der Lehrer ist, ist 1!). Die Schüler merken an solchen Beispielen, wie du die Rollen siehst – was nicht heißt, dass du nicht die Chefin wärst: Diese Tatsache darf nie zur Debatte stehen.
    So, jetzt verschone ich dich mit weiteren Weisheiten und wünsche dir resp. euch allen einen guten weg ins Lehrerdasein!
    Norbert Tholen

    Gefällt 1 Person

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