Reise zum Lehrer-Ich: ein Zwischenhalt

Tja. Ich hatte mich wirklich sehr auf die Stunde gefreut. Und in meinen Augen war sie auch logisch geplant, aber in der Planung versteckten sich kleine Stolperfallen und ich habe im Unterricht eine nach der anderen mitgenommen.
Aber von vorne:
Am Freitag stand mein zweiter Unterrichtsbesuch an – diesmal in Französisch.
Freitag, 5. Klasse, 6. Stunde.
Deshalb sollte es etwas kreatives werden, etwas, bei dem sich die Kinder auch mal bewegen können. Die Schüler sollten ihr Traum-Zimmer malen (Hausaufgabe) und im Unterricht erläutern, was sich darin befindet. Anschließend war ein Galerierundgang mit abschließender Präsentation geplant. Für die Beschreibung waren sehr simple Sätze von Nöten, die vorher bereits geübt und mit mir zu Beginn der Stunde nochmal wiederholt wurden.
Ich will auch gar nicht weiter großartig ins Detail gehen, denn schlussendlich funktionierte die Stunde aus zwei bestimmten Gründen nicht: fehlender Disziplin und eine scheinbar unklare Aufgabenstellung.
Letztere hätte präzisier und vielleicht kleinschrittiger sein müssen. Scheiterte aber auch daran, dass es den Schülern wohl einfach zu doof war, mehrmals den gleichen Satz verwenden zu müssen. So ging eine große Fragerei nach noch mehr Vokabeln und immer neuen Dingen los, was unheimlich viel Zeit kostete.
Die Präzision fehlte dann vor allem beim Versuch der Binnendifferenzierung. Die Schüler sollten unterschiedlich viele Gegenstände beschreiben müssen. Dafür wählte ich aber naiver Weise den Begriff „Gruppe“, bei dem die Schüler sofort denken, sie müssten sich jetzt in Gruppen zusammensetzen und gemeinsam arbeiten. Da mir bisher für diesen Begriff nichts anderes einfallen wollte, werde ich wohl beim nächsten Versuch individualisierte Arbeitsanweisungen ausgeben oder mit Zuweisung über Nummern arbeiten, sodass jeder bspw. mit einer eins vor sich fünf Sätze schreiben muss usw.
Und schließlich fehlte es an Disziplin. Wir haben einen sehr schwierigen Schüler in der Klasse, der gar schon von der anderen Klasse strafversetzt wurde und der es durchaus schafft, die ganze Klasse aufzumischen. Und Freitag war es besonders schlimm. Ich möchte ihm überhaupt nicht die Schuld in die Schuhe schieben, denn mir ist bewusst, dass es klar von meiner Seite her an Durchsetzungsvermögen fehlte, aber er hat dazu beigetragen, dass es lief, wie es eben lief.
Im Nachhinein betrachtet musste ich aber auch feststellen, dass ich aufgrund der Anwesenheit des Fachleiters unheimlich Hemmungen hatte, mit der Stimme mal lauter zu werden und die erforderlichen Tadel auszusprechen.

Vieles ist mir währenddessen oder im Nachhinein selbst aufgefallen. Vermutlich ist auch das bereits ein erster Schritt in die richtige Richtung.

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4 Gedanken zu „Reise zum Lehrer-Ich: ein Zwischenhalt

  1. Störungen des Unterrichts sind ganz normal. Und sicher sind Leerlauf, fehlende Struktur, unklare Arbeitsaufträge, fehlendes Classroom-Management, Langeweile etc. Faktoren, die Störungen anziehen wie saubere Fensterscheiben fettige Kinderhände 😉. Ungleich komplizierter wird es, wenn in der Klasse Schülerinnen und Schüler sind, die gar nicht in der Verfassung sind, Deinem Unterricht zu folgen. Und es wäre auch eine Überforderung an Referendare, wenn sie das lösen sollen, was gestandene Kollegen und Kolleginnen noch nicht gelöst haben. Diese Kinder brauchen oft ein großes Maß an Aufmerksamkeit und Zuwendung, das Du in einer Stunde nicht geben kannst.
    Ich habe zwei einfache Techniken für Dich, die mir seit Jahren in der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen helfen:

    1. Feedback per W-W-W: Wahrnehmung – Wirkung – Wunsch: du sprichst das Verhalten des Schülers an, so wie Du es wahrgenommen hast. Du sagst Ihm, wie es auf Dich und andere gewirkt hat und dann formulierst einen erfüllbaren Wunsch an den Schüler. Sprich in Ich-Botschaften. Sprich es direkt an.

    2. Kritik via F – D – H: Freundlich – Direktiv – Hart. Das erste Gebot in der Kritik ist „Tu es in Liebe“. Sonst wird Kritik und disziplinarisches Handeln brutal. Direktiv meint, dass Du klare Anweisungen gibst, z.B. „Ich möchte nicht, das Du während des Unterrichts trinkst.“ Und Hart bedeutet, dass die Anweisung nicht verhandelbar ist. Z.B. „Ich möchte nicht, dass Du während des Unterrichts trinkst. Mache das Getränk weg, sonst nehme ich es an mich.“
    Ich kann Dir nach 20 Jahren Berufsleben sagen, die Techniken funktionieren meist, aber nicht immer. Und immer dann, wenn es nicht funktioniert, ist es wichtig, gründlich zu reflektieren, warum es nicht funktioniert hat. Schüler stören in den seltensten Fällen aus persönlichen Gründen Deinen Unterricht. Sie stören, weil das in der Schule dazu gehört. Oder weil es Ihr Weg ist, Deine Zuwendung zu erhalten.
    Es ist toll, dass Du Deine Erfahrungen, auch die schwierigen, mit uns teilst. Viele Kollegen wagen sich das nicht mehr. Und Du hast nichts zu verlieren, sondern Du wirst viel gewinnen

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    1. Dem Kommentar vom @schulrat ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Deswegen Nur noch eine kleine Ergänzung zur 1. Feedback-Methode. Ich nenne es mal „flipped“ W-W-W:
      du fragst die S, wie sie ihr eigenes und dein Verhalten wahrgenommen haben. Welche Wirkung hatte das Verhalten für die Klasse und die Stunde?
      Dann formulieren sie Wünsche an dich und deinen Unterricht, machen Vorschläge…
      Schüler sind dann (i.d.R.) nicht mehr destruktiv, sondern arbeiten mit dir zusammen an der Lösung.

      Den einen Schüler, der den Unterricht stört, würde ich nach der Stunde zu mir rufen. Nie vor der ganzen Klasse anschreien oder verletzend maßregeln…. Frag ihn, wo das Problem in der Stunde lag?

      Wenn die Beziehungsebene stimmt, klappt auch der Unterricht 🙂

      Du machst das schon!

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