Balanceakt

Da die Thematik auch in den Kommentaren zum Artikel über Leistungsbewertung aufkam, muss jetzt doch mal ein eigener Artikel her.

Ich kann die Problematik von Julia sehr gut nachvollziehen. Wir kommen als Referendare eh schon in einer schwierigen Position in die Schulen, da die Schüler ganz genau wissen oder zumindest zu wissen glauben, dass wir nicht so viel zu sagen haben, wie die „richtigen“ Lehrer. Dazu kommt, dass der befristet Zeitraum noch mehr dazu verleitet, unsere Grenzen auszuloten.
Und schließlich sind auch Schüler nur Gewohnheitstiere. Sie haben sich auf einen bestimmten Lehrer eingestellt und nun kommen wir. Mit anderen Anforderungen, anderen Ansprüchen und unterschiedlichen Herangehensweisen bei bestimmten Dingen.

Das ist also für alle Seiten ein schwieriger Balanceakt.

Bildschirmfoto 2016-04-23 um 09.33.24

Dieser Balanceakt wäre eventuell gut zu stemmen, wenn es wäre wie bei Teacheridoo und wir den Unterricht komplett selbstständig übernehmen könnten. (Die Nachteile, die das dann allerdings mit sich bringt, lassen wir jetzt mal außen vor!). Aber so läuft es bei uns nicht.
An unserem Seminartag sind wir im Studienseminar und verpassen Unterricht. Das bedeutet bei mir in den allermeisten Fällen, dass es für mich absolut unmöglich wäre, eigenständig Klassen zu übernehmen. Das heißt konkret, dass ich in allen Klassen eine oder zwei Stunden pro Woche halte, im besten Fall noch weitere hospitiere und die anderen Stunden von der anderen Lehrkraft übernommen werden.
Bis zu den Sommerferien funktioniert das System so sicherlich ganz gut und danach wird es auch anders sein, aber bis dahin sehe ich keine großen Chancen, neue Regeln umzusetzen.
Vor allem in den jüngeren Klassen ist es schwer zu erwarten, dass sie sich von Stunde zu Stunde umstellen. Und daher bleibt momentan nicht viel anderes übrig, als sich in groben Zügen an der anderen Lehrkraft zu orientieren.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass man methodisch nicht einiges ausprobieren kann, denn das macht gerade unter Aufsicht und mit Feedback am meisten Sinn, aber Strukturen verändern (egal ob Beurteilung, Regeln oder anderes) ist da nicht möglich bzw. wird wohl eher nicht von Erfolg gekrönt sein.
Und: man kann ja auch erstmal schauen, was die Profis so drauf haben. Vielleicht braucht es da gar nicht so viel Veränderung. Wünschenswert wäre es!

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6 Gedanken zu „Balanceakt

  1. Unfassbar!

    Ich habe diese Problematik nur teilweise, in sog. Intensiv-Stunden, in denen ich einmal die Woche bei Kollegen mit „reinspringe“ und wir uns die Klassen teilen, wodurch eben intensiveres Beschulen möglich ist. – Leider fühle ich mich (und es geht nicht nur mir so) dort immer wie eine schlecht vorbereitete Vertretungskraft. Denn weder weiß ich, was den Rest der Woche gelaufen ist, noch weiß ich um die Stärken und Schwächen der SuS, geschweige denn, warum mir Kollege/In X nun diese oder jene Übungen vorkopiert in die Hand drücken…
    (Besonders, wenn dich SuS dann gelangweilt fragen, ob die Aufgaben nicht irgendwie echt billig, weil superleicht, sind und du darauf nicht so recht Stellung zu beziehen weißt.)
    – Man könnte diese Problematik durch engere Zusammenarbeit zwar sicherlich beseitigen oder wenigstens abmildern, aber da scheitert es dann an der Zeit bzw. selbst wenn man diese irgendwie aufbrächte, an sich schneidenden Stundenplänen.
    Ganz großer Obernerv jedenfalls! Welch ein Horror, das permanent zu haben! Wie man da gescheit unterrichten und, vor allen Dingen, auch ankommen soll bei den SuS, ist mir schleierhaft.

    Insofern habe ich es in meinen Klassen natürlich einfacher. Akzeptanzprobleme gibt es dort keine, die SuS sehen mich als vollwertige Lehrkraft – in Ausbildung zwar, aber das dürfte ihnen nur selten wirklich bewusst sein.
    Feedback erhalte ich ja dennoch, da meine Mentoren 1x die Woche in eine Stunde mit reingehen.

    Könnt Ihr Refs das eventuell irgendwo mal evaluierend bis kritisierend zurückmelden, wie ungünstig diese Konstellation ist?

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    1. Gerade dieses „als vollwertige Lehrkraft“ sehen, ist hier ein Problem. Mir wurde letztens von einer Schülerin beim Eintragen ins Klassenbuch gesagt, dass ich das rot markieren müsste, weil ich ja nur ne Vertretungsstunde halte (die „originale“ Lehrerin, die montags die Stunden macht, während ich die zwei anderen in der Woche habe, war krank an dem Tag). Die Kleinen haben noch nicht verstanden, dass ich nicht vertrete, sondern wir uns den Unterricht teilen und ich gleichberechtigt bin, was Noten etc. angeht. Habe mir vorgenommen, das nächste Woche nochmal deutlich zu sagen…

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  2. Mhpfs, dein System klingt nach unserem. Eventuell sitzen wir ja im selben. xD Mir gefällt es auch besser, wie es bei Hanslina (Teacheridoo) ist. Aber eigenständig Klassen übernehmen passiert hier erst im 2. Ref-Abschnitt, also nach den Sommerferien.

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    1. Das ist echt doof. Und selbst nach den Sommerferien wird das für maximal eine bis zwei Klassen funktionieren aufgrund der bürokratischen Anforderungen. Das ist echt nicht so einfach alles.
      Möglich wäre es natürlich. Wobei ich denke, dass einige Bundesländer nach einem ähnlichen Prinzip verfahren, oder?

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