Blog und Twitter im Unterricht (1)

Ab nächster Woche wird es ernst mit dem Projekt zu FrühlingsErwachen.
Die Schüler sollen Beiträge für einen Blog verfassen, miteinander über die Beiträge kommunizieren und darüber hinaus einen Perspektivwechsel vornehmen, indem sie aus Sicht der Hauptfiguren twittern.
So geschrieben klingt das ganz schön ambitioniert.
Ich schwanke zwischen Vorfreude und der Angst, dass das Ganze absolut überhaupt nicht funktionieren will. Bei einigen Dingen bin ich mir auch einfach sehr unschlüssig:
Regeln aufstellen? Ja! Aber welche? Welche Vorgaben soll es bei der Anzahl der Beiträge, Kommentare und Wörter geben?

Der bisherige Plan sieht für die Blogeinträge folgendes vor:
– pro Schüler (mind.) ein Artikel
(die Aufgaben dazu habe ich formuliert, sodass sie einige Anreize haben, worüber sie schreiben*)

– pro Schüler mind. zwei Kommentare zu den anderen Beiträgen der Mitschüler
(wobei natürlich dazu kommt, dass man bei Nachfragen als Verfasser des Beitrags auch wieder antworten muss)

– das Abgabedatum ist bereits vorher festgelegt.
Sie haben also ausreichend Zeit und wissen mit Beginn der Stoffeinheit, wann ihr jeweiliges Thema fertig sein muss. Bei den ersten Themen, die relativ zeitnahe fertig sein sollen, haben sie den Vorteil, dass es überwiegend im Unterricht thematisiert und teilweise schon erarbeitet wird.

– Mindestanzahl der Wörter
(da habe ich so an 200 je nach Aufgabe gedacht. Sonst kommen da nur drei vier Sätze und das ist ja auch doof.)

– Selbstverständlichkeiten:
keine Beleidigungen, zusammenhängende Sätze, themenbezogener Inhalt, konstruktive Kritik

* eigentlich hätte ich euch die Arbeitsaufträge gerne mal hier veröffentlicht. Dann fiel mir aber ein, dass die Schüler beim Googeln der Aufträge (warum schwer machen – vielleicht gibt das Netz ja Antworten her), sicher auf dem Blog hier landen würden. Somit wäre die Anonymität passé. Ein Dilemma.

 

Zusätzlich dazu sollten die Schüler aus Sicht der vier (möglicherweise fünf) Hauptpersonen twittern. Dafür habe ich verschiedene Accounts angelegt, auf die die Schüler Zugriff haben werden. Aber ich befürchte, dass es auch hier klare Ansagen braucht, damit das funktioniert. Ich habe gedacht, dass man für jede Person Gruppen bildet, sodass dann immer vier Schüler für eine Person zuständig wären.
Verpflichtend wäre dann ein Tweet pro Thema im Unterricht, über das sich die Person äußern soll. Dafür müsste man dann vermutlich am Ende jeder Stunde zwei bis drei Minuten Zeit einräumen. Oder man müsste Fragestellungen in den Unterricht integrieren, auf die sich die Personen dann beziehen sollen.
Gar nicht so einfach.
Im besten Fall würde dann auch auf Twitter ein Streitgespräch zwischen bspw. Mutter und Tochter entstehen, aber ob das so wirklich gelingt. Ich weiß ja nicht.

Und schlussendlich stellt sich die Frage: warum?
Ich mag ja gerne meine Abschlussarbeit über den Einsatz von Twitter und dem Blog im Deutschunterricht schreiben. Aber was genau sollen die Schüler darüber eigentlich lernen?
Dass es auch Spaß machen und motivieren soll – geschenkt. Ob es das tut – keine Ahnung.
Mir ist es eher wichtig, dass die Schüler etwas schaffen, ein Produkt kreieren, welches nicht im luftleeren Raum verschwindet, sondern eine gewisse Rezeption erfährt. Nicht nur vom Lehrer, sondern auch von Fremden (da wäret dann auch ihr gefragt werte Leser 🙂 ).
Dass sie lernen, sich so auszudrücken, dass andere sie verstehen. Dass sie sich auch außerhalb des eigentlichen Unterrichts mit einem Thema befasst. Dass sie erleben, dass auch sie etwas beizutragen haben zu „großer“ Literatur. Dass sie sich mal wieder in ein Thema einarbeiten und nicht nur oberflächlich ankratzen. Dass sie miteinander über ein Thema kommunizieren. Dass sie lernen, dass Texte auch veränderbar sind.
Immerhin will auch der Lehrplan, dass sie kritische Distanz entwickeln, Überarbeitungsstrategien anwenden und konstruktive Kritik üben.
Für Twitter erscheint mir die Sache nicht ganz so einfach. In meinen Augen erleichtert es das Einfühlen in die Personen. Die Perspektivübernahme und auch die Überführung von alter Literatur in neue Medien. Gerade bei FE erscheint mir das eigentlich sinnvoll, da die Thematiken auch heute noch (wenn auch in etwas abgewandelter Form) aktuell sind.
Aber mir fällt es gerade schwer, den (Achtung!) Mehrwert dieses Einsatzes zu begründen.

Vielleicht hat ja der ein oder andere von euch dazu noch Vorschläge und Ideen.

 

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11 Gedanken zu „Blog und Twitter im Unterricht (1)

    1. Gar nicht. Ich hab das nur mit der Lehrerin abgesprochen. Ich wüsste auch ehrlich gesagt nicht wozu. Weder die Schule noch die Namen der Schüler sind bekannt. So sollte es eigentlich auch bleiben. Die Schüler arbeiten max. mit ihren Initialen, wenn sie kommentieren, damit ich überprüfen kann, wer was wie wann schrieb. Natürlich kann das auch ausgenutzt werden, aber die Gefahr besteht halt. Ansonsten hab ich ja immer noch Zugriff drauf und kann den Blog jederzeit deaktivieren o.ä.
      Und auch bei Twitter bin ja ich angemeldet mit meinen Emailaccounts und keiner der Schüler…

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    1. Das ist schon einmal schön zu hören. Mal schauen, wie meine Schüler es auffassen. Ich sehe das ganze einfach als Experiment. Wenn ich es nicht jetzt ausprobiere, wann dann?!
      Ich berichte sehr gerne. Werde eh für die Arbeit noch einen Feedbackbogen entwerfen müssen.

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  1. Ein sehr ambitioniertes Projekt indeed. Ich bin immer sehr neidisch, wenn Kollegen außerhalb Bayerns derartige Sachen planen, da uns von Seiten des Datenschutzes derartiges untersagt ist. Wir haben dafür eine eigene staatlich geförderte Lernplattform, wo ich mal etwas ähnliches im Kleinen versucht habe. Leute zu Beiträgen zu zwingen und auch noch den Überblick zu behalten, wer tatsächlich was beigetragen hat, ist eine ganz schöne Mammutaufgabe. Vielleicht fällt dir eine ressourcenschonende Möglichkeit ein, dabei den Überblick zu behalten…

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    1. Hier ist das mit dem Datenschutz nicht so ganz eindeutig geregelt. Es steht nur fest, dass keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden dürfen. Und das werden sie (in meinen Augen) auf die geplante Art und Weise nicht.
      Das mit dem Überblick ist tatsächlich so ne Sache. Die Artikel sollen sie mir zusätzlich per Mail zukommen lassen (damit Ausreden wie „WordPress hat es nur nicht gespeichert“ gar keine Chance haben), aber bei den Kommentaren bin wohl ich gefordert. Jetzt im Referendariat mit weniger Stunden mag das noch gehen, aber später?! Ich werde mal schauen, wie es so läuft.

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  2. Mir gefällt vor allem Deine Zielsetzung, dass die Arbeit der SuS nicht im luftleeren Raum erfolgt, sondern in eine Veröffentlichung mündet, die kommentiert und diskutiert werden kann. Die Planung sieht sehr gut aus, auch über Datenschutz hast Du Dir viele Gedanken gemacht. Ich glaube fest an Dein Projekt und wünsche Dir viele Erfahrungen. Ich freue mich jetzt schon darüber hier und bei Twitter zu lesen.

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  3. Ich beklatsche Dein Vorhaben und v.a. den Mut, das auszuprobieren. Das größte Pfund, mit dem Du m. E. wuchern kannst, ist Deine Leidenschaft und Begeisterung. Wenn ich Deinen Text lese, schwappt auch ein wenig auf mich herüber. Und das finde ich toll! Vielen Dank und gutes Gelingen.

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  4. Kennst du diese Blogs? https://romantischeschule.wordpress.com/ und https://klassikklasse.wordpress.com/
    Wenn die Schüler festgelegte Phantasienamen haben, ist m.E. viel für Datenschutz und Übersichtlichkeit getan.
    Übrigens: Für die Romantische Schule schwärme ich noch nach 7 Jahren. (Zum Glück war ich schon damals nicht mehr im Schuldienst. Sonst wäre ich vielleicht wegen meiner Unfähigkeit etwas Ähnlichen hinzukriegen, verzweifelt.) Meiner Meinung nach also zum Nachmachen zu schwierig, aber als Anregung sehr gut.

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    1. Vielen Dank für den Hinweis!
      Ich glaube aber nicht, dass man deshalb verzweifeln muss. Ich finde es durchaus legitim, so etwas nicht hinzukriegen oder auch gar nicht erst in Angriff zu nehmen.

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