Chill mal dein Leben!

Ein Vorwort:

Grund für diesen Artikel ist die Blogparade von Herr Mess. Allerdings ist das Thema für mich momentan deutlich schwieriger zu beantworten als zunächst gedacht.
Ich stecke noch mittendrin im Lernprozess und habe durch die verschiedenen Anforderungen, die das Referendariat an einen stellt, zwar keine höhere, aber eine andere Arbeitsbelastung.
Und gleichzeitig sind wir auch in einem großen Vorteil gegenüber anderen Lehrer. Zumindest noch.
Wir bleiben von Elterngesprächen, Förderplänen und sämtlichen anderen organisatorischen Dingen weitestgehend verschont, sodass wir eigentlich mehr Zeit haben, um uns auf das Erlernen des Handwerks zu konzentrieren.
Und trotzdem wird das Referendariat von vielen als die stressigste Zeit überhaupt beschrieben.
Auch in meinem Umkreis höre ich von verzweifelten Referendaren, die kaum noch schlafen, nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht und die kaum Land sehen.
Um dem entgegenzuwirken braucht es einige Ideen und die Konsequenz, diese auch umzusetzen.

 

 1. selbstgemachten Stress vermeiden

@ZuvielZeug hat zurecht darauf hingewiesen, dass es auch immer von den Anforderungen abhängt, die an einen herangetragen werden. Und ja, das stimmt.
Aber: im Netz findet man viele Treffer, wenn es um negative Erfahrungsberichte aus dem Referendariat geht. Das liegt wohl in der Natur der Sache, dass Menschen sich eher äußern, wenn etwas schlecht lief. Gute Dinge sind häufig weniger erwähnenswert.
Daher gehen die meisten auch genau mit dieser Erwartungshaltung an die Sache heran:
Es werden furchtbare Mentoren sein, das Seminar wird Unmögliches verlangen, wir werden kaum noch schlafen…etc.
Dadurch wird das Ganze zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung. Natürlich ist das Referendariat stressig, aber manchmal macht man sich auch mehr Stress, als es eigentlich nötig ist. Es muss also auch nicht jede Stunde perfekt sein. Das wird später auch nicht mehr der Fall sein. Mühe geben? Ja! Perfektionismus? Nein!

 

2. Das Angenehme mit dem Nötigen verbinden

Irgendwie trivial, aber mir hilft es ungemein: die nötige Arbeit – so weit es geht – mit angenehmen Dingen verbinden. Dafür reicht es bei mir schon oft, wenn ich meine Vorbereitungen auf dem Balkon in der Sonne und an der frischen Luft machen kann. Das motiviert und macht glücklich.

 

3. Freiräume schaffen

Ich muss aufgrund der Entfernung zur Schule täglich 40 Minuten mit dem Zug fahren. Andere, die ähnlich lange mit dem Auto fahren müssen, beneiden mich um die Zeit, weil ich da ja so gut arbeiten könnte.
Das hatte ich mir irgendwann mal vorgenommen, mach ich aber nicht. Warum?
Weil Pausen wichtig sind.
So nutze ich die 40 Minuten morgens und nachmittags zum Entspannen und Durchatmen.
Ich setze die Kopfhörer auf und blende um mich herum alles aus.
Somit kann ich daheim dann ausgeruht und relativ entspannt das erledigen, was gerade so anfällt.

 

4. Humor

Es läuft nie alles rund. Der Unterricht nicht, Gespräche und Absprachen mit Mentoren nicht und das Verhalten der SuS im Unterricht auch nicht.
Einfach mal kurz durchatmen und darüber lachen hilft.
Gerade im Unterricht läuft es deutlich entspannter, wenn man über die Schüler auch mal schmunzelt und mit ihnen lacht.

 

5.  Konzentriert arbeiten

Fällt mir dank ständiger Vernetzung über Handy und Laptop unheimlich schwer. Zu schnell beginnt man zu prokrastinieren und liest auf Twitter oder Facebook. Oder man verliert sich in den Weiten des Internets auf der Suche nach der einen tollen zündenden Idee. Da man währenddessen aber mit der Arbeit nicht voran kommt, ist das ein unheimlicher Stressfaktor am Ende.
Den zu verringern, muss ich jetzt langsam mal lernen.

 

6.  Hilfe annehmen

Gerade im Referendariat können wir unmöglich von Beginn an alles alleine schaffen. Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen Mentoren, die uns bei der Vorbereitung des Unterrichts unterstützen und wir brauchen Leute, die uns ab und an mal sagen können, wo wir welches Material finden.
Und auch später ist es keine Schade, mal um Hilfe zu bitten. Sich auszutauschen. Sich gegenseitig zu unterstützen. Schlussendlich profitieren alle davon, wenn es ein Geben und Nehmen ist.

 

7. Prioritäten setzen

Da wartet dieses Wochenende ein riesiger Berg voll Arbeit auf mich. Aber nicht alles muss am Montag fertig sein. Also werden Prioritäten gesetzt. Was ist wichtig, was muss unbedingt schnell erledigt werden, was hat vielleicht noch etwas Zeit? Und wenn doch mal alles auf einmal erledigt werden muss, hilft es mir, mit dem zu beginnen, was mir leicht fällt. So geht es schnell von der Hand und man ist motiviert, die nächsten Dinge in Angriff zu nehmen.

 

8. den Kopf frei kriegen

Dazu gehört für mich gerade das Schreiben dieses Artikels. Mich beschäftigte die ganze Zeit, dass ich hierzu was schreiben wollte, auch wenn ich nicht genau wusste, was dabei herauskommen würde. Aber mit diesem Hintergedanken hätte ich mich gerade auf keine Korrektur oder Vorbereitung konzentrieren können. Denn der Artikel lag mir gerade mehr am Herzen.

Advertisements

5 Gedanken zu „Chill mal dein Leben!

  1. Liebe Lotta,

    viele deiner Ideen bzw. Strategien um Stress zu vermeiden oder effektiver damit umzugehen, teile ich.
    Allerdings habe ich eine andere Sichtweise auf Punkt 1), die ich hier gerne mitteilen möchte. Für mich gab es im Ref. nicht die Option, dass eine Stunde nicht perfekt sein musste. Ein unangekündigter Unterrichtsbesuch, sechsmal im Halbjahr, war jederzeit möglich. „Angst“ machte sich so im Referendariat bei vielen breit. Natürlich ist es rational zu sagen: nicht jede Stunde kann perfekt sein. Aber Notendruck, Rahmenbedingungen und hohe Selbstziele lassen das oft nicht zu.

    Ich hatte trotz einer enormen Arbeitsbelastung ein tolles Referendariat- mit vielen neuen Freunden und wertvollen Erfahrungen. Wenn Perfektionismus verlangt wird, kommt man Mühe manchmal nicht weiter.

    Liebe Grüße und ein erholsames Wochenende,

    @MrsMey

    Gefällt 1 Person

    1. Da habe ich mich womöglich nicht ganz deutlich ausgedrückt.
      Mir ist bewusst, dass es auch anders laufen kann! Und ich wollte die Anforderungen, die woanders an einen gestellt werden, auch nicht klein reden. Das steht mir nicht zu.
      Wir haben bei uns aber das Privileg, dass es in den meisten Fällen sehr human zugeht. Dabei ist aber genau das Phänomen zu beobachten, welches ich im Artikel angesprochen habe: die Erwartung, dass es stressig wird und der Perfektionismus vereinen sich und am Ende steht jede Menge (manchmal (!)) unnötiger Stress.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s