Die Reise zum Lehrer-Ich (Teil 3)

Teil 1 findet ihr hier und Teil 2 hier.

Inzwischen sind Ferien und so langsam kann das Gehirn auch die letzten Monate verarbeiten. Während man so mitten drin steckt im Strudel, kommt man ja oft nicht dazu, gewisse Dinge Revue passieren zu lassen.

Frage 1: Wie stelle ich mir allgemein guten Unterricht vor? 
Er soll das Interesse der Schüler wecken. An dem gerade zu behandelnden Themenkomplex, aber auch an der – um es in Klafkis Worten zu sagen – Gegenwartsbedeutung eben dieses Inhaltes. Dafür müssen die Inhalte aber auch einen solchen Bezug aufweisen, für die Schüler relevant sein. Das bedeutet nicht, dass man nur „coole“ Sachen behandeln kann, die es dem Schüler eine Auseinandersetzung möglich einfach machen, aber es sollten Werke, Inhalte und Themen sein, die den Schüler auf die ein oder andere Weise berühren, beschäftigen oder zum Nachdenken bringen.
Oft ist das im Dreieck zwischen Schülererwartungen, Lehrererwartungen und dem Lehrplan oft schwierig. Vor allem jetzt im Referendariat, wo einem einfach der Grundstock an bereits behandelter Literatur oder ähnlichem fehlt. Umso eher ein Vorteil für uns, dass wir uns vielleicht nicht mit der alten verstaubten Literatur auseinandersetzen müssen, sondern auch mal zu moderneren Texten greifen können. Dabei lehne ich natürlich die alten Klassiker nicht zur Gänze ab, schließlich sollten die Schüler auch damit mal in Berührung gekommen sein, aber es kann auch nicht das Ziel sein, sich wochenlang nur mit einem Text zu beschäftigen, weil es eben mal gelesen werden muss.
Kurz: guter Unterricht orientiert sich (auch!) an den Bedürfnissen der Schüler.

Frage 2: Wie sehe ich mich als Lehrer? Welche Stärken und welche Schwächen habe ich? 

menschlich
+ laut bisherigen Rückmeldungen durch Mentoren und Fachleiter kann ich wohl super mit meinen Schülern umgehen. Mir macht es auch großen Spaß mit Kindern und jungen Erwachsenen zu arbeiten, sie zu begleiten und ein Stück an ihrem Leben teilhaben zu dürfen. Daraus resultiert auch, dass ich meine Schüler niemals von oben herab behandle.

– hier hapert es immer noch ein bisschen am Durchsetzungsvermögen bei Disziplinproblemen. Daran wird nächstes Schuljahr weiter gearbeitet!

methodisch/didaktisch
+ mein Tafelbild hat sich deutlich gebessert, bei vergessenen Hausaufgaben bin ich nach wie vor konsequent (zumindest was das Kontrollieren angeht. Über die Konsequenzen bin ich mir noch nicht einig geworden), ich lobe meine Schüler, wenn es angebracht ist.
Außerdem gebe ich mir wirklich Mühe, meinen eigenen Erwartungen an guten Unterricht gerecht zu werden!

– Mir fehlt manchmal ein wenig der rote Faden im Unterricht. Das muss noch genauer herausgearbeitet werden. Gleiches gilt für die Ergebnissicherung. Allgemein bin ich sehr froh, wenn ich nächstes Jahr wirklich selbstständig für den Unterricht zuständig bin, ohne ihn mir mit anderen Lehrpersonen teilen zu müssen.

Frage 3: Welche Kriterien in der Unterrichtstätigkeit sind mir besonders wichtig (sortiert nach Wichtigkeit) und inwieweit kann ich diese (schon) umsetzen (Skala 1-10)? 

1. Umgang mit Störungen und Disziplinproblemen /Konsequenz  (6/10)
2. Schülerorientierung (6/10)
3. Feedback geben/Anerkennung und Lob (8/10)
4. Nähe-Distanz bzw. professionelles Verhalten (7/10)
5. Spaß am Unterrichten (8/10)
6. Geduld (6/10)
7. fachliches Wissen (7/10)
8. didaktische Reduktion / Binnendifferenzierung (5/10)
9. Struktur/Organisation/Zuverlässigkeit (6/10)
10. Objektivität bei Beurteilung und Bewertung (7/10)

Frage 4: Was erwarte ich von meiner Ausbildung während des Referendariats? 

Ehrliche und konstruktive Kritik.
Darüber hinaus aber auch einen angemessenen Umgang miteinander. Auch wenn einen einige Kollegen nicht als „vollwertigen“ Lehrer ansehen. Das ist okay, sollte aber nicht ständig kommuniziert werden. Bisher habe ich das Glück, dass das so auch nicht passiert ist, dennoch merkt man es natürlich manchmal.
Neben der Kritik erwarte ich aber auch Unterstützung. Das bedeutet nicht, dass mir andere Lehrer meinen Unterricht vorbereiten sollen, aber oft haben sie bereits Materialien, die man nutzen könnte.
Schade ist oft, dass unter Lehrern der Austausch nicht so gerne gesehen wird. Frei nach dem Motto „Ich habe das erstellt/gefunden. Das war meine Arbeit, also kriegst du das jetzt nicht…“.
Unter Referendaren ist das übrigens auch schon zu beobachten.
(Wobei ich auch ungern Dinge weggebe, wenn ich weiß, dass ich dafür nicht mal ein müdes Danke erhalte…)

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4 Gedanken zu „Die Reise zum Lehrer-Ich (Teil 3)

  1. … unter Lehrern Austausch nicht so gern gesehen wird …
    Autsch! Da habe ich wohl mehr Glück mit meinen Kollegen und Bekannten. Das ich keine ausgearbeiteten Reihen kriege, die ich auch nicht sinnvoll nutzen könnte (bis ich die auf meinen Unterricht/Lerngruppe angepasst hätte…), ist schon klar, aber Ideen und Beispiele („Guck mal ich hab das letztes Mal so gemacht“) kriege ich schon sehr oft.

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    1. Da hast du wirklich Glück! Also ich meine – ab und an gibt es schon Ideen. Aber so wirklich gerne scheint damit keiner rauszurücken. Aber gerade Arbeitsblätter oder konzipierte Tests könnte man unter Referendaren super austauschen. Findet aber leider kaum bis gar nicht statt.

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      1. Hmmm das ist natürlich doof. Ich habe meinen letzten Praktikanten einfach nen Link zu meiner dropbox gegeben. Sortieren mussten sie dann halt selbst. Ich selbst finde es halt netter, wenn ich den Verursacher kenne und direkt etwas zu dem AB fragen kann, deswegen bin ich kaum beim Lehrertauschbörsen unterwegs.

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