Neustart

Noch immer gehe ich jeden Tag mit einem guten Gefühl in die Schule.
Ich weiß wirklich zu schätzen, dass ich nun nur noch einen Bruchteil der Zeit brauche, um zur Arbeit zu kommen.
So bin ich auch gerne mal ein paar Minuten eher dort, bereite noch nötige Dinge vor oder bleibe eben ein paar Minuten länger, wenn noch was erledigt werden muss. Das war in der anderen Schule nicht denkbar – schließlich stand noch der lange Heimweg bevor.

Momentan unterrichte ich bei Weitem noch nicht das Pensum, was zum jetzigen Zeitpunkt der Referendariats vorgesehen ist. Theoretisch müsste ich 10 Stunden unterrichten. Bisher waren es nur vier Stunden in Französisch. Ab nächster Woche kommen drei Deutschstunden dazu. Immerhin.
Aber auch da fallen jede Menge Stunden aus – Feiertage, Klassenfahrten oder Termine im Studienseminar, die auf die Schulwoche fallen. Dafür scheint aber sowohl in der Schule als auch im Seminar Verständnis da zu sein – ich kann da ja schließlich auch nichts dafür.
So kam bspw. diese Woche eine Kollegin auf mich zu, die sich Gedanken gemacht hatte, was ich in ihrer Klasse noch für ein Thema behandeln könnte. Beim Besprechen stellte sich jedoch nach kurzer Zeit heraus, dass wegen oben genannter Gründe tatsächlich nur noch drei Stunden bis zu den Ferien bleiben. Damit hat sich das dann auch erledigt.

Somit bleiben mir meine Kleinen. Eine 6. Klasse in Französisch (wie schon zuvor an der alten Schule) und eine 5. Klasse in Deutsch.
Die Französischklasse ist sehr ruhig, eckt kaum an. Dafür mangelt es bei den meisten aber auch an der Mitarbeit. Und an der Aufmerksamkeit. Sie stören zwar nicht, machen aber eben auch sonst nichts. Das kann auch unheimlich frustrierend sein. So versuche ich Stunde für Stunde einmal alle Schüler zum Sprechen zu animieren und baue hier und da Elemente ein, die sie motivieren sollen, mitzuarbeiten.
Zu der Deutschklasse kann ich bisher nicht viel sagen. Dort habe ich nur hospitiert. Doch die Resonanz aus dem Kollegium ist eindeutig:
„Dort wollen Sie unterrichten?“
„Von der Klasse habe ich ja schon einiges gehört…“
„Dort halte ich einge Schüler einfach für nicht beschulbar.“
Auch die jetzige Lehrerin berichete, dass die Klasse teilweise ganz schön ausscheren kann. Beobachtet habe ich das in der Intensität bisher noch nicht.
Ich versuche, dass nicht zu sehr an mich heranzulassen und diese negativen Erwartungen möglichst nicht mit in meinen eigenen Unterricht zu nehmen. Dass die Kleinen etwas unruhig sind, konnte ich beobachten. Ansonsten möchte ich möglichst unvoreingenommen zu bleiben. Gar nicht so einfach!
Und natürlich wäre es ja viel zu einfach, wenn die einzige Aufgabe für die erste Stunde Unvoreingenommenheit wäre. Stattdessen kommt dort natürlich direkt mein Fachleiter, um sich die Stunde anzuschauen.
Allerdings hat er vollstes Verständnis, unter was für schwierigen Umständen ich nun dort mit dem Unterricht beginne. Ich kenne die Klasse kaum, das Schuljahr steht kurz vor dem Ende und die Klasse hat nicht den besten Ruf – all das hat er anscheinden im Hinterkopf. Das finde ich mehr als fair.

In Französisch bin ich mal alleine, mal sitzt die ursprüngliche Lehrerin mit drin.
Was noch immer super funktioniert ist mein Umgang mit den Schülern. Aber damit hatte ich ja glücklicherweise seit Beginn des Referendariats nie Probleme. Auch der Aufbau der Stunden und der Wechsel zwischen passiven und aktiven Phasen war logisch und gut. Gleichzeitig erhielt ich aber nach einer der ersten Stunden auch die Rückmeldung, dass ich die Schüler phasenweise überforderte. Dass in einigen Phasen nochmal eine schriftliche Wiederholung an der Tafel hilfreich wäre.
In den nächsten Stunden versuchte ich das immer wieder umzusetzen, sodass sich die kniffligen Aussprache- und Grammatikbesonderheiten mehr und mehr festigen.
Die Klasse ist zum Großteil gewillt zu lernen, braucht dafür eben nur etwas länger als so manch andere Klasse.
Ein Problem, bei dem ich aber noch immer keine Lösung sehe ist die Schreibgeschwindigkeit. Wenn die Schüler Merksätze oder Beispiele von der Tafel abschreiben sollen, haben einige erst angefangen, während andere schon fertig sind. Und dabei machen häufig diejenigen Fehler, die langsamer arbeiten, sodass sich in ihre Unterlagen immer wieder Fehler einschleichen. Es ist wirklich blöd. Die einen Schüler langweilen sich (ich trage ihnen immer auf, ihren Text nochmal genau zu vergleichen), während die anderen fehlerhaft abschreiben.

Da ich nun einen direkten Vergleich habe, kann ich einen anderen, großen Unterschied zwischen der 6. Klasse an dieser und der an der alten Schule ausmachen: während hier überwiegend Deutsch gesprochen wird, trimmte meine alte Mentorin ihre Schüler darauf, auch während des Unterrichts Französisch zu sprechen. Es herrschte natürlich aufgeklärte Einsprachigkeit, dennoch wurde mehr in der Zielsprache kommuniziert, als das jetzt hier der Fall ist.
So habe ich mir jetzt zum Ziel gesetzt, dass die Schüler bis zum Ende der Ferien wenigstens gänge Dinge wie „Ich habe eine Frage“ oder „Welche Seite ist das?“ auf Franzöisch formulieren  können und es auch aktiv im Unterricht benutzen. Mal sehen, wie gut das funktionieren wird.
Außerdem herrschte bei meiner alten Mentorin eine deutlich aufgeräumtere Hefter-Methode. Zumindest kam es mir so vor. Doch jetzt, kurz vor den Ferien wollte ich bei den Schülern nicht alles über den Haufen schmeißen.
Ich empfand es jedoch als furchtbar sinnvoll, die Schüler nicht stumpf sämtliche Vokabeln aus der Vokabelliste im Buch abschreiben zu lassen. Stattdessen selektierte die Lehrerin damals die wichtigsten Wörter aus und die sollten gelernt werden.
Gleichzeitig teilte sie die angelegten Vokabellisten sinnvoll auf: regelmäßige Verben, unregelmäßige Verben, „les petits mots“, männliche und weibliche Substantive und der Rest. So wussten die Schüler immer, wo sie nachzuschauen hatten, wenn sie etwas suchten. Vor allem für Konjunktionen und andere kleine Wörter war eine extra Liste sehr praktisch, da die Schüler sie so immer parat hatten, wenn sie eigene Texte schreiben sollten.
Nun ja. Es gibt also noch einiges zu durchdenken, was den Unterricht in dieser Klasse betrifft. Ich hätte jedenfalls große Freude dabei, sie nächstes Schuljahr noch zu unterrichten. Ein Wunsch, der hoffentlich in Erfüllung geht, da ich direkt nach den Sommerferien dort meine erste benotete Lehrprobe ablegen sollte.
Lassen wir uns mal überraschen.

 

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4 Gedanken zu „Neustart

  1. Ich wünsche dir viel Erfolg! Die Zeit jetzt vor den Ferien ist einfach blöd zum Einstieg, besonders wenn der Unterricht eigentlich auf die vielen Feiertage oder sonstigen Veranstaltungstage fällt. Dass du gleich in der ersten Stunde wieder unter Beobachtung stehst, ist etwas ungünstig. Das war nicht zu vermeiden?

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    1. Danke.
      Nein, war es nicht. Aufgrund terminlicher Schwierigkeiten blieben am Ende nur die Doppelstunden. Wovon ich jetzt auch nur am 23.05 und dann erst wieder am 06.06 eine habe. Da sie dort aber selbstständig etwas schreiben sollen, lohnt da einfach kein UB.
      Da ich wie gesagt aber weiß, dass der FL sich dessen auch bewusst ist, kann ich gut damit leben.
      Vielleicht läuft es ja gerade in der ersten Stunde (noch) ganz gut?

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      1. Sicher, kann gut laufen. Mein erster Philo UB stand ja unter dem gleichen Stern. Allererste Stunde mit den Kindern, eher was Einstiegstechnisches gemacht und alles frei gehalten. Von den Kindern aus braucht man sich meist für UBs keine Gedanken machen. Die verhalten sich da eigentlich immer vorbildlich und unterstützen einen, wo sie können.

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