Unterrichtsbesuch

Ich habe den ersten Unterrichtsbesuch erfolgreich absolviert.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Klasse ihrem Ruf nicht gerecht wurde.
Meine Planung ging auf. Und sogar der Galerierundgang lief ohne besondere Vorkommnisse ab.
Aber von vorne.

Zunächst einmal empfand ich es als gar nicht so einfach, eine schöne Bildergeschichte zu finden. Eine, die nicht alle Schüler schon aus der Grundschule kennen und eine, die wenigstens etwas Spannung beinhaltet. Über die viele Pointen bei Vater und Sohn können ja doch oft nur Erwachsene lachen, aber keine Fünftklässler.
Die Geschichte von dem Einbrecher erfüllte diese Kriterien in meinen Augen.

Wir begannen die Stunde also mit dieser Geschichte. Um nicht gleich alle Spannung vorwegzunehmen, wurde die Geschichte Bild für Bild aufgedeckt. Mein Fachleiter sagte mir am Ende, dass das an und für sich perfekt umgesetzt war, aber man merkte, dass die Aufmerksamkeit bei den Schülern relativ schnell nachließ. Sie arbeiteten aber trotzdem fleißig mit. Das Ziel dieser Phase war es, die Schüler dafür zu sensibilisieren, wie sie an eine solche Bildergeschichte herangehen sollen, wenn sie am Ende selbst die Geschichte dazu verfassen müssen. Worauf müssen sie achten? Wie gehen sie am besten vor?
Im Anschluss wurde all dies natürlich an der Tafel notiert, sodass die Schüler beim Schreiben später einen Fahrplan haben.

Überrascht wurde ich mitten in der Stunde von einem Schüler, der mich plötzlich fragte:
„Frau Lotta? Könnten wir am Ende der Stunde nicht ein Rollenspiel dazu spielen?“
Klar! Eigentlich ist das ja eine schöne Idee. Mist. Mir war sowas vorher aber überhaupt gar nicht eingefallen.
„Können wir vielleicht erst einmal abwarten, was Frau Lotta für den Rest der Stunde geplant hat?“
Ich sagte ihm jedoch auch gleich, dass es mir leid täte und wir kein Rollenspiel spielen würden. Allerdings kam die Idee des Malens genauso gut an. Und das mit dem Rollenspiel habe ich nun für andere Stunden im Hinterkopf.

Bevor wir jedoch zu der kreativen Aufgabe für die Schüler kamen, schob ich eine zweite Bildergeschichte dazwischen. Im Vorhinein habe ich wirklich lange hin und her überlegt, ob es so sinnvoll ist, eine zweite Geschichte einzuschieben. Ich wollte daran verdeutlichen, wie überhaupt geschrieben werden soll: spannend, anschaulich, mit wörtlicher Rede usw.
Ich hatte zuvor dieses kleine Büchlein in die Hände bekommen. Dort wurde die Geschichte von Herr Jakob und der Fahrradpanne erzählt. Da sie nur aus zwei Bildern besteht und beide Texte sehr kurz gehalten waren, entschloss ich mich, sie zu nutzen.
Überrascht wurde ich abermals, als alle Schüler wirklich absolut mucksmäuschenstill waren, als ich beide Geschichten vorlas. Niemand kippelte, niemand spielte mit seinen Stiften rum, niemand tuschelte. Für meinen Vortrag erntete ich anschließend auch ein dickes Lob von meinem Fachleiter. Und den Hinweis, dass solche Einschübe sehr sinnvoll sein können. Schüler lieben gut gemachte Lehrervorträge!
Anhand der beiden Texte (einer sehr sachlich und beschreibend, der andere wirklich erzählend), erarbeiteten wir die Merkmale für eine gelungene Geschichte.

Dann aber ging es endlich an das kreative Arbeiten.
Während mich solche Aufgaben persönlich immer genervt haben, da ich heute noch nicht mehr als Strichmännchen malen kann, waren die Schüler begeistert bei der Sache. Wobei ich ihnen auch sagte, dass es keine Kunstwerke sein müssten – es käme vor allem auf den Inhalt an. Denn schließlich sollten sie das letzte Bild der Bildergeschichte malen und das darf ja nicht völlig abstrus sein.
Dass die Schüler eine blühende Phantasie haben, zeigte sich nämlich bereist beim Aufdecken der Geschichte. Nach jedem Bild kam die Frage, was wohl als nächstes passieren würde.
„Na der schießt dem jetzt in den Bauch und dann kommen da drei Kampfbabys raus, die den Einbrecher erschießen“. Ja. Ist klar.
Bedingung war also, dass das Bild zum Rest der Geschichte passen müsse.
Das haben alle Schüler auch umgesetzt, sodass beim Galerierundgang viele schöne Ideen zu bewundern waren.

Alles in allem war es eigentlich eine schöne Stunde. Allerdings war sie für mich mit viel Arbeit verbunden. Denn dass die Klasse ihrem Ruf nicht gerecht wurde, hing nicht zuletzt damit zusammen, dass ich Ausbrüche in ihrem Keim erstickte.
Das fiel auch meinem Fachleiter positiv auf.
Was er also bereits zu Beginn des Referendariats gelobt hatte (meinen Umgang mit den Schülern, die Präsenz während der Stunde…) habe ich während der Pause nicht verlernt. So gab ich es irgendwann auf, die Schüler zu ermahnen und stellte mich stattdessen einfach zu ihnen. Das brachte deutlich mehr Ruhe rein als ständige Ermahnungen.
Doch es gab auch Kritikpunkte.
Das Ziel der Unterrichtseinheit soll sein, dass die Schüler einen eigenen Text zu einer Bildergeschichte verfassen sollen. Dafür braucht es aber unbedingt Schreibphasen, die in dieser Doppelstunde fehlten.
So war bspw. davon die Rede, dass sie Leerstellen zwischen den Bildern füllen müssten. Natürlich nickten das alle Schüler ab. Aber ob sie das schriftlich wirklich können?
Leider ist die Zeit nun durch die Ferien sehr knapp bemessen, die Kritik aber durchaus berechtigt.
Gemeinsam mit meinem Fachleiter entstand aber eine schöne Idee für die nächste Stunde: die Schüler bekommen die Möglichkeit, ihr eigenes Bild zu vertexten.
Sie sollen den Text zum vorletzten und ihrem eigenen Bild (wahlweise dem Original) schreiben. So üben sie nicht nur, eine Leerstelle zu schreiben, sondern können sich direkt auch am Schluss der Geschichte versuchen. Und ihre eigenen Bilder finden erneut Verwendung und verschwinden nicht im luftleeren Raum.

Eine Herausforderung in dieser Klasse wird es weiterhin sein, genügend Methodenwechsel einzubauen, da die Aufmerksamkeit der Kleinen sonst wirklich sehr schnell nachlässt. Und dafür zu sorgen, dass weiterhin ein angenehmes Arbeitsklima herrscht, ohne ihre Kreativität im Keim zu ersticken.
Es bleibt spannend.

Eine andere Herausforderung bleibt für mich die Reflexion nach so einem Unterrichtsbesuch. Vor allem mit Hinblick auf die Lehrprobe. Denn dort ist es meine Aufgabe, Schwerpunkte zu setzen, über die in der Reflexion gesprochen werden sollen. Dafür fehlt mir aber tatsächlich der didaktische Unterbau (so fragte mein Fachleiter bspw. wieso ich ausgerechnet Bildergeschichten gewählt habe, um Schreibkompetenz zu schulen. Öhm. Ja. Mir fiel dann zwar was ein, aber in der  Lehrprobe wäre das nicht gut gelaufen!). Da muss ich dann also echt mal ran, damit ich mir damit nicht die Note versaue.

 

 

 

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4 Gedanken zu „Unterrichtsbesuch

  1. Klingt auf jeden Fall nach begeisterten Kindern. Das ist schon mal ein sehr erfreuliches Ergebnis 😉 Was die Didaktik angeht, so würde ich immer die Schulinternen Lehrpläne oder eben die Kernlehrpläne für den jeweiligen Themenbereich heranziehen – die liefern einem ja die Begründung für das, was man macht/machen will. Und für die Reflektion gibt es die Erschließungsfragen zu den Handlungsfeldern oder eben festgelegte Aspekte für die Unterrichtsnachbesprechung. Das ist ein buntes Achteck, das habe ich immer bei der Reflektion daneben liegen, wenn ich die Besprechung vorbereite.

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    1. Ja, mir schien, sie hatten ihren Spaß. Ich wollte sie eben auch nicht direkt in der ersten Stunde mit langweiliger Theorie und Schreibaufträgen verprellen.
      Was denn für ein Achteck? Das kenne ich gar nicht. 🤔

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      1. Hm, ich finde es nirgendwo. Weiß gar nicht mehr, woher ich das Blatt hatte, es steht auch nix drauf. Wird wahrscheinlich anfangs ausgeteilt worden sein, steht aber auch nicht als Datei auf unserer Hauptseite. Die Vorgaben vom ZfsL Düsseldorf fand ich ziemlich gelungen, als ich gerade gegoogelt habe. Da kannst du mal schauen. Ich stelle meine Grafik bei mir auf die Seite unter ‚der Plan‘, dann kannst du mal einen Blick werfen.

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      2. Da google ich doch direkt mal!
        Und schaue mal bei dir nach. Das finde ich ja jetzt doch interessant.
        Ist aber auch wirklich nervig, dass nicht nur jedes Bundesland, sondern auch jede Stadt und jedes Seminar es anders erwartet und bewertet.

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