Projekt: weniger Papier

Auf Twitter stößt man in seiner Lehrer-Filterblase öfter mal auf das Stichwort digitale Schultasche. Ein schönes Ziel: kein Zettelwirrwarr, keine schweren Schultaschen, stattdessen ein Tablet (welches auch immer), mit dem man seine Unterrichtsvorbereitung, seinen Unterricht, seine Noten und alles weitere verwalten kann.
Doch natürlich sorgt auch so eine digitale Schultasche dann und wann für ein bisschen Chaos:

Ein weiteres Stichwort, welches mit der digitalen Schultasche einhergeht, ist logischerweise papierfrei.
Wenn man sich ein bisschen durch die Lehrer auf Twitter klickt, dann fällt auf, dass viele von diesem Konzept hellauf begeistert sind. Sowas motiviert in erster Linie andere Lehrer, es ebenfalls mal zu versuchen. Doch man darf nichts übers Knie brechen, denn das geht nach hinten los.

Somit war mein Ziel für den Neustart: weniger Papier statt papierfrei.
Der erste Schritt dahin war ein sehr teurer, denn ein Tablet besaß ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Da ich allerdings sehr gerne handschriftliche Notizen mache, erschien mir der Laptop nicht als geeignetes Mittel, zumal ich den nicht ständig mit mir herumtragen wollte.
Also schaffte ich mir ein iPad mit Pencil an.

Da ich mitten im Schuljahr bzw. eher schon wieder am Ende des Schuljahres wieder ins Referendariat einstieg, legte ich mir erst gar keinen neuen Lehrerkalender zu. Stattdessen lud ich mir die Testversion vom Teachertool (ich habe ja nur eine Klasse momentan, in der ich überhaupt Noten vergeben habe) sowie GoodNotes herunter.

GoodNotes ist ein wirklich tolles Programm, mit dem man dank Pencil handschriftliche Notizen anfertigen kann. Das nutze ich nicht nur zum Mitschreiben in Unterrichtshospitationen, Seminaren oder Konferenzen. Ich nutze es auch, um meinen Unterricht vorzubereiten.Von Skitch.jpg
Wo früher auf einer unüberschaubaren Menge Papier Notizen und Ideen landeten, die anschließend alle noch einmal ordentlich und übersichtlich auf einem Blatt vereint werden wollten, übertrage ich das heute alles direkt in GoodNotes. Und wenn ich feststelle, dass einer der Unterrichtsschritte doch lieber früher oder später stattfinden soll, dann verschiebe ich den Text einfach.
Dieses Vorgehen hat definitiv schon eine ganze Menge Papier eingespart.
Darüber hinaus kann ich jetzt ganz einfach meine Fotos vom Tafelbild einfügen, sodass ich am Ende einen Überblick habe, was tatsächlich in der Stunde geschafft wurde.

TeacherTool…damit bin ich nicht so richtig warm geworden. Zunächst einmal brauchte ich tatsächlich die Anleitung, denn als intuitiv habe ich die App nicht wahrgenommen.
Und irgendwie ist mir das Eintragen der fehlenden Schüler oder der nichtgemachten Hausaufgaben zu anstrengend. Da möchte ich eine Liste haben und sofort schnell ankreuzen können, wenn was nicht da ist. Mir dauerte das irgendwie zu lang. Das mag auch daran liegen, dass momentan noch die Unterrichtsroutine fehlt, die man später dann hat.

IMG_3935

Mir schwebt eher etwas vor, wie man es auf dem Bild sehen kann.
Pro Schüler gibt es eine Zeile. Die großen Spalten sind jeweils eine Woche. Unterteilt ist eine solche Spalte in Ha-Ma-krank. Also Hausaufgaben, Material und Abwesenheit. Für jede dieser Kategorien gibt es nochmal drei Spalten (für jede Stunde in der Woche eine). Das klingt kompliziert, aber am Ende muss ich nur ein Kreuz setzen und sehe sehr schnell, wer wann wie oft die Hausaufgaben vergessen hat oder krank war. Abgesehen davon, dass es sowieso eine doppelte Buchführung braucht, da Abwesenheit ins Klassenbuch eingetragen werden muss. Inwieweit dieser Bogen zum Ankreuzen umsetzbar ist, habe ich noch nicht testen können. Doch momentan habe ich davon Abstand genommen, auf Teufel komm raus mit TeacherTool arbeiten zu wollen.
Stattdessen werde ich mir wohl eine gescheite Exceltabelle anlegen, die mir meine Noten ausrechnet. Dafür braucht es nicht unbedingt TeacherTool.
Allerdings entspricht das dann natürlich nicht mehr der papierfrei Idee.

Ein weiterer Aspekt, bei dem ich mir noch sehr unsicher bin, ist der Lehrerkalender.
Habt ihr da empfehlenswerte Apps, die sowohl aufm iPad als auch aufm iPhone laufen? Sodass man auch mal schnell was über das Handy eintragen könnte?

Und schließlich der Unterricht.. da ist digital quasi gar nichts möglich. Wir haben zwar zwei Smartboards, nen Laptopwagen und zwei Computerräume (die aber jeweils nicht genügend Computerarbeitsplätze für jeden Schüler haben), aber das ist alles mehr Arbeitsaufwand, als dass es mir den Workflow erleichtern würde, denn es müssten Räume getauscht, bestellt, Beamer geordert werden.
Im Unterricht als Einstieg mal eben schnell ein Bild zeigen? Fehlanzeige.
Außer ich drucke es vorher auf ne Folie und lege es auf den Overheadprojektor (sofern ein funktionierender Projektor im Raum steht).
BYOD? Nur, wenn die Schüler und Schülerinnen ihr Datenvolumen nutzen, denn WLAN gibt es bei uns auch nicht. Selbst das schnelle Arbeiten wie ich es bspw. mit answergarden.ch gemacht habe, ist nicht möglich, da am Ende die sichtbare Projektion an die Wand für alle fehlt. Außer ich trage deutlich eher in die Beamerliste ein, dass ich an Tag x damit arbeiten will.

So schön es also wäre, verstärkt digital zu arbeiten – momentan müssen die Prioritäten erst einmal woanders liegen. Zumindest was das digitale Arbeiten mit den Schülern und im Unterricht angeht.

Nachtrag:
Auch wenn ich meine Unterrichtsvorbereitung in GoodNotes mache und damit beim Vorbereiten eine Menge Papier spare, so nutze ich während des Unterrichts tatsächlich noch einen ausgedruckten Zettel, auf den ich immer mal wieder gucken kann, was als nächstes dran ist oder wie genau das Tafelbild nun aussehen sollte. Das hat vor allem den Grund, dass ich mein iPad nur ungern ständig mit meinen Kreidepfoten nutzen möchte. Außerdem hantiere ich (vor allem in Französisch) parallel immer noch mit einem Buch und einem Arbeitsheft, sodass das Durchführen des Unterrichts für mich (momentan noch) mit Papier (oh Schreck!) deutlich einfach ist.

Und ich muss auch ganz ehrlich gestehen:

Ich benutze das Buch und das Heft sehr gerne. Allerdings habe ich auch die Luxussituation, dass ich von beiden Dingen zwei Ausgaben habe (einmal die Schüler- und einmal die Lehrervariante). Somit liegt ein Pack in der Schule, der andere daheim. Dadurch entfällt die Schlepperei. Ich bin aber tatsächlich schneller, wenn ich hin und her blättere, als wenn ich Seiten durchschollen muss. Ich sehe mehr – hier noch eine Übung, die passen würde, da noch eine hilfreiche Notiz. Nur wenn es mal ganz schnell gehen soll, dann vermisse ich strg+f. Solang aber Schulbücher nur über Anbieter wie scook.de und damit auch nur online verfügbar sind, ist das keine Option für mich. Denn wenn ich unterwegs bin, möchte ich nicht auch noch Internet haben müssen, damit ich mit Büchern (!) arbeiten kann. Sollte es die Schulbücher auch unkompliziert offline digital geben, dann würde ich wohl auch wieder probieren, damit zu arbeiten.

Ich bemühe mich dennoch – soweit es eben geht – Papier einzusparen und die Zettelwirtschaft daheim gering zu halten. So habe ich bspw. Arbeitsblätter, die während Unterrichtshospitationen zum Einsatz kamen, direkt abfotografiert und gar nicht erst eingepackt. Das reicht völlig aus.
Nur die Zettelwirtschaft aus dem Studienseminar, die muss dringend mal digitalisiert (ein Teil ist es schon), aber vor allem sortiert werden. Im übrigen verstehe ich auch dort nicht, warum uns die Dinge nicht digital zugeschickt werden und man dann je nach Gusto entweder alles ausgedruckt nutzt oder halt digital.

 

 

 

 

 

 

 

 

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7 Gedanken zu „Projekt: weniger Papier

  1. Liebe Lotta, ein interessanter Beitrag, ich erkenne mich in vielen Dingen wieder. Hast du mal überlegt, dir einen kleinen mobilen Beamer anzuschaffen (Picopix o.Ä.)? Die sind überraschend gut und einige meiner lieben Kollegen an anderen Schulen schwören drauf! Welches iPad nutzt du denn?
    Einen Lehrerkalender ersetze ich durch Tabellen in OneNote, hier plane ich auch meinen Unterricht und teile ihn mit Kollegen. Allerdings dürfen in NRW schülerbezogene Daten nicht digital gespeichert werden, Listen für Fehlstunden, vergessenes Material etc. ist also alles noch analog, da mir TT dafür auch zu lang dauert.

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    1. Ich hab das iPad Pro. Ich glaube das Problem ist auch, dass man vieles einfach ausprobieren muss, um zu schauen, womit man effektiv und gut zurecht kommt. Daher bin ich für jede Inspiration dankbar 🙂
      Das Problem mit den schülerbezogenen Daten haben wir hier, soweit ich weiß, nicht. Daher könnte ich es nutzen, aber du sagst ja auch, dass dir TT zu lange dauert.

      Ich bin ganz ehrlich – ich sehe es nicht ein, mir einen mobilen Beamer zuzulegen. Wir kommen als Lehrer schon genug für Material auf. Über Schulbücher, Arbeitshefte und zusätzliches Material. Vor kurzem habe ich mir erstmal einen Bluetooth-Lautsprecher gekauft, um nicht immer ewig CD-Abspielgeräte hin und her schleppen zu müssen (dafür reicht nämlich oft gar nicht die Zeit in den Pausen). Und gerade als Referendar ist das Gehalt auch nicht so üppig, dass ich mir mal eben einen mobilen Beamer kaufen möchte. Schon gar nicht, wenn ich nicht weiß, ob ich nicht in einem Jahr nach dem Ref an eine ganz andere, vielleicht super ausgestattete Schule komme.

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  2. Bin leider kein i-Anhänger ^.^ Ich arbeite mit einem Windows Tablet und Programm (TeacherStudio). Da ist es wie du angemerkt hast möglich, direkt auf dem Sitzplan vergessene Hausaufgaben einzutragen, Verspätungen zu notieren, sich daraus direkt Listen anzeigen zu lassen, wer was wann vergessen hat/nachreichen muss und eine Übersicht über alle Fehlzeiten/fehlenden Entschuldigungen insgesamt gibt es auch. Sehr nett. Termine landen da auch direkt drin und werden dann in der Wochenansicht angezeigt und man kann Aufgaben anlegen für to-Do-Listen. Habe bei mir auch einige Beiträge dazu im Blog.

    Zettel gibt es bei mir insofern, als dass ich einen Ordner mit Unterrichtsmaterial in Form der jeweils pro Kurs unterrichteten Sequenz dabei habe. Die werden nach Abschluss dann in Hängeakten zu Hause einsortiert. Das sind Einstiegs-/Erarbeitungsfolien, Kopiervorlagen in Form von Arbeitsblättern und Co und Schülerergebnisse wie Folienschnipsel, Ausarbeitungen, Handouts, etc. Damit fahre ich ganz gut und habe kein Chaos.

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    1. Hallo Kollegin/Kollege 🙂
      Ja, das habe ich schon entdeckt und auch ausprobiert. Finde die App aber aufm iPad (und auch auf dem Handy…) furchtbar. Und am Ende klicke ich genauso lange, wie bei TeacherTool, um vergessene HA oder Fehltage einzutragen. Momentan tendiere ich echt zu einem analogen Kalender und Notenkalkulation in Excel.

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  3. Sehr schöner Beitrag! Ich bin auch ein begeisterter Freund der Papapierfrei-Idee, nur leider lässt sich das im Alltag nicht immer zu 100 % durchsetzen, weshalb man sich immer nur diesem Wert annähern kann. Das ist eher ein Prozess, der durch kontinuierliche Optimierung verbessert wird: Man fängt an, hier und da Aufgaben auf elektronischen Geräten statt auf dem Papier zu realisieren – mit GoodNotes hast du da ja schon mal einen ersten Schritt gemacht. Dann kommt einem irgendwann eine neue Idee, die man dann eher auf dem Tablet oder Notebook erledigen kann – und so sammelt sich im Laufe der Zeit ein schöner digitaler Workflow an.

    Du hattest geschrieben, dass du die Tabelle in Excel anlegen könntest, dass es dann aber nicht papierfrei wäre – diesen Teil verstehe ich nicht? Liegt es daran, dass du nicht Teachertool benutzt? Ich denke, dass jede App gut ist, die deinem Zweck gerecht werden kann und deine Probleme optimal löst. Dann legst du halt eine Excel-Tabelle an! Der Vorteil ist ja sogar, dass du eine Füllung als Bedingung machst: Wenn die Zelle eine bestimmten Wert hat, färbt sich der Wert in Grün oder Rot – je nachdem, was zutrifft. (Zum Beispiel 1 = Schüler hat das gemacht/dabei/ist anwesend etc. … = Hintergrundfarbe wird grün.) Du druckst das ja nicht aus, sparst dir die Tinte, kannst also gut und großzügig mit Farben arbeiten. Auf diese Weise siehst du dann ja auch ziemlich schnell, wo ein Schüler seinen Pflichten nachkam.

    Inspiration hole ich mir übrigens aus der Wirtschaft. Hier gibt es einige, die ebenfalls versuchen, ihren Workflow möglichst papierlos zu erledigen. Besonders hervorheben möchte ich hier Lars Bobach, der sich schon intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hat: https://larsbobach.de/du-bist-neu-hier-und-willst-wissen-was-das-hier-soll/ – hier musst du mal schauen, was du für dich mitnehmen kannst.

    Insgesamt schöner Artikel! Bin gespannt, wie deine weiteren Erfahrungen diesbezüglich sein werden. 🙂

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    1. Bezüglich der Sache mit Excel:
      Was ich brauche ist etwas ganz simples.
      Etwas, wo ich ohne viel Klicken nur ankreuzen muss, ob etwas erledigt ist, oder eben nicht.
      Ich hab keine Ahnung, inwieweit das mit Excel umsetzbar ist (hab mich bisher nicht damit beschäftigt). Wenn es möglich ist, dass ich wie bei dem ausgedruckten Blatt mit einmal Tippen direkt ein Kreuz/ne Markierung/ne Farbe setze, dann brauche ich das nicht ausgedruckt.
      Sobald ich aber erst angeben muss, was ich gerade markieren will (Hausaufgaben? Material? Fehltag?) dauert es zu lang und frisst für mich Zeit, die ich im Unterricht für andere Dinge brauche. Noch sind die Abläufe nicht automatisiert genug, als dass ich mir das leisten könnte.

      Danke für den Link. Da schaue ich bei Gelegenheit mal rein 🙂

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