Mit starker Stimme zurück in die Schule

Im Lehrerberuf ist die Stimme unser Instrument. Wir brauchen sie jeden Tag, in jeder Stunde. Mal mehr und mal weniger. Mal laut und mal leise. Das kostet Kraft. Und zwar jede Menge.
Es ist gar nicht so selten, dass Lehrer in den ersten ein zwei Wochen nach den Sommerferien kleinere Probleme haben. Die Stimmlippen und all die andere Muskulatur muss erst wieder gelockert und trainiert werden.
Daher bekamen wir im Seminar Sprecherziehung den Tipp, möglichst schon vor Beginn der Schule ein paar kleine Übungen zum Aufwärmen durchzuführen.
Da ich in dem ersten Beitrag schon um Tipps gebeten wurde, aber bis jetzt gebraucht habe, um mich mal dran zu setzen, ist leider vieles von den beiden Seminartage schon wieder vergessen. Einige der Namen zu den Übungen sind selbst ausgedacht und ich hoffe, dass ich hier nicht allzu viel Quatsch erzähle. Wenn jemand wirklich Ahnung hat, dann bitte kommentieren und verbessern 🙂

Entspannung

Die Arbeit mit der Stimme hat auch viel mit Entspannung zu tun. Sobald man verkrampft, ist es viel schwieriger seine Stimme effizient und schonend einzusetzen. Dabei geht es nicht nur darum, den Mund und den Gesichtsbereich zu entspannen. Denn bei der Stimmentwicklung gehört viel mehr dazu!
Eine Übung ist daher die progressive Muskelentspannung. Aber auch Schulterkreisen oder das leichte (!) Dehnen der Halsmuskulatur helfen. Hierfür greift man mit der rechten Hand die linke Seite des Kopfes und zieht den Kopf leicht auf die rechte Schulter. Allerdings sollte man es nicht überdehnen. Danach wechselt man die Seiten.
Eine Übung, die mir sehr geholfen hat, da ich an ziemlichen Kieferverspannungen leide, ist die Klopfmassage. Dafür nimmt Zeige- und Mittelfinger und klopft vorsichtig das Gesicht ab. Wo man beginnt ist egal, man sollte nur darauf achten, alle Partien des Gesichtes und des Kiefers mitzunehmen. Am Kiefer empfiehlt es sich, unterhalb der Ohren mit dem Klopfen zu beginnen und dann nach unten hin zu klopfen. Wer das Klopfen nicht mag, kann auch vorsichtig den Kiefer ausstreichen.
Als ebenfalls sehr hilfreich empfand ich die Blop-Übung. Dabei bläst man die Wangen leicht auf und lässt anschließend die Luft entweichen. Dabei entsteht ein leichter Blop-Laut. Man sollte hierbei die Wangen aber wirklich nur leicht aufblasen, da zu viel Spannung der Entspannung entgegenwirkt.
Ein sehr einfaches Mittel zur Kieferlockerung ist der schlafende Pendler (den Begriff hab ich mir aber nur ausgedacht). Hierbei lässt man seinen Kopf nach hinten fallen und öffnet leicht den Mund. Dadurch entspannt sich der gesamte Unterkiefer (und irgendwann fängt man wie so ein schlafender Pendler an zu sabbern…).

Stimmlockerung

Sehr beliebt ist das Lippenflattern (was übrigens nicht jeder sofort kann!). Dabei kann man variieren zwischen Übungen ohne und Übungen mit Stimmeinsatz. Zunächst sollte man es jedoch ohne probieren.
Ebenfalls lockernd und entspannend ist der Seufzer. Der funktioniert in drei Schritten: zunächst entspannt man während des Seufzens nur das Gesicht. Beim zweiten Mal lässt man zusätzlich den Kopf hängen und beim dritten Mal sackt der ganze Körper mit nach unten. Aufpassen sollte man beim Aufrichten, denn man sollte nicht ruckartig wieder hochkommen, sondern sich Stück für Stück wieder aufrichten.
Ebenfalls dreischrittig ist die Indianerübung. Jeder kennt es, wenn Kinder Indianer spielen und dabei die Hände vor den Mund haben, um Töne zu produzieren. Zur Stimmlockerung wird der Mund erst nur ein Stückchen geöffnet, sodass sich die Lippen noch fast berühren. Im nächsten Schritt wird er weiter geöffnet, bis er schließlich am Ende ganz weit offen ist. Bei allen drei Schritten wird mit der Hand sachte gegen den Mund geschlagen, sodass das typische Geräusch entsteht. Bei der Übung kommt dann auch schon Stimme ins Spiel.

Atemübung

Absolut elementar für eine gesunde Stimme ist die richtige Atmung. Meist atmen wir viel zu oberflächlich. Wie es anders geht, zeigt sich, wenn man auf Atemrhythmus und Bauchdeckenbewegung achtet. Hierfür legt man einfach eine Hand auf den Bauch (im Stehen oder Liegen) und atmet langsam ein und aus. Bei jedem Einatmen hebt sich die Bauchdecke und senkt sich wieder beim Ausatmen. Im Seminar haben wir uns irgendwann so darauf konzentriert, dass irgendwann das Gegenteil der Fall war. Daraufhin haben wir bewusst den Bauch herausgestreckt beim Einatmen und eingezogen beim Ausatmen. Das gab am nächsten Tag schönen Muskelkater (also bei so untrainierten Leuten wie mir jedenfalls…).
Bei der Stoßatmung, atmet man in drei Stößen aus. Dabei kann man variieren, ob man nur auf f oder auf f-s-sch bzw. p-t-k ausatmet.
Bei der Federübung stellt man sich vor, dass eine Feder vor einem schwebt, die man langsam wegpustet. Dabei sind Variationen denkbar, sodass bspw. bei einer größeren Feder stärker gepustet werden muss als bei einer kleinen.

Stimmkräftigung

Wichtig bei der Stimmkräftigung ist der Einbezug des gesamten Körpers. Man legt sich mit seiner gesamten Energie in die Produktion des Tones. Deshalb ist ein richtiger Stand wichtig. Auch im Unterricht sollte man immer wieder kurz zur Ruhe kommen, seinen festen Stand suchen und dann gegebenenfalls lauter werden. Oft hilft es aber selbst kurz zur Ruhe zu kommen und den Schülern dadurch zu signalisieren, dass man weitermachen möchte.
Bei der Schwungübung nimmt man den Arm hoch und macht eine kreisende Bewegung nach hinten. Dabei sagt man laut Heeeee. Sobald der Arm oben angekommen ist, führt man die Bewegung weiter nach unten, allerdings mit mehr Schwung, als würde man etwas werfen wollen. Dabei sagt man laut Hop. Man hat dann in der Bewegung also nahtlos Heeeeee-Hop. Durch die Armbewegung wird mehr Energie freigesetzt und die Stimme gleich lauter.
Ähnlich ist es bei der Kreisübung, bei der der Arm vor einem im Kreis geschwungen wird und man dazu Heeeei-ei-ei artikuliert. Es klingt etwas lallend, hilft aber.
Und schließlich gibt es noch die Dribbelübung, bei der man sich einen Basketball vorstellt und bei jeder Handbewegung ein Hop ausspricht. Bei der Übung bietet es sich an, die Geschwindigkeit zu variieren, da man so gleich eine Atemübung dabei hat.
Bei der Fußballübung nutzt man statt der Arme den Fuß und einen imaginären Ball. Bei jedem Tritt, artikuliert man gleichzeitig eines der Worte: Tor-halt-aus. Es sind aber auch andere Worte denkbar wie bspw. He-Du-Lauf; Komm-Stop-Halt; Ja-Nein-Raus.

 

Übrigens:
Der Genuss eines Apfels vor Beginn des Unterrichts oder eines Vortrags hilft vor Mundtrockenheit.
Wer bei Heiserkeit oder Erkältung flüstert, schadet seinen Stimmlippen mehr, da die Anstrengung höher ist.
Räuspern schadet den Stimmlippen. Stattdessen sollte man kurz schlucken oder etwas trinken.

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Ein Gedanke zu „Mit starker Stimme zurück in die Schule

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