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digitale Bildung

zeitgemäße Bildung

flipped classroom

Smartboards

BYOD

Digitalisierung

 

Irgendwas mit Internet, Smartboards, Tablets, BYOD, WLAN und Kompetenzen.
So fühlt es sich jedenfalls an.
Was genau mit digitaler und zeitgemäßer Bildung gemeint ist, darüber wird noch diskutiert.

Sucht man auf Twitter nach dem Stichwort digitale Bildung, stößt man auf viele Tweets, in denen die Umsetzung von digitaler Bildung gefordert wird. Von Lehrern und von der Politik. Was genau damit gemeint ist, dazu äußern sich dabei aber die wenigstens.

Aber was ist denn nun diese digitale Bildung?
Einige Twitterer machen Angebote, was digitale Bildung sein könnte. Andere argumentieren, dass genau das keine digitale Bildung sei.
Die aktuellste Auseinandersetzung dazu gibt es hier nachzulesen:

Und dann gibt es da Menschen wie mich, die absolut neu in dem Business Schule sind.
Menschen, die noch damit beschäftigt sind, den Praxisschock nach jahrelanger Theorie zu verdauen.
Und die jetzt wieder vor dem gleichen Problem stehen:
was ist digitale Bildung in der Theorie? Und wie lässt es sich in der Praxis umsetzen?
Modelle dazu gibt es ja schon (wobei auch das nicht ohne Kritik dasteht: klick). Aber so richtig greifbar ist das ganze Konzept dennoch nicht. Bei all den Diskussionen auf Twitter hat man, nein, habe ich (!) aber immer wieder das Gefühl, ein schlechter Lehrer zu sein, wenn man den Schritt Richtung digitale Bildung noch nicht geht. Oder ihn falsch geht.
Denn natürlich kann man darüber diskutieren, ob es momentan nicht eher eine Verquizzung von Unterricht ist, wenn man Tools wie learningsnacks, learningapps oder kahoot einsetzt. Aber als naiver Neuling im System Schule frage ich mich, ob das nicht trotzdem der erste Schritt sein kann? Lehrer fangen an, mit digitalen Werkzeugen zu arbeiten, die Schüler werden daran gewöhnt, ihre Geräte auch im Unterrichtskontext zu nutzen.
Natürlich kann Unterricht im Sinne von Wer wird Millionär nicht die zeitgemäße Bildung sein, von der alle reden, aber in meinen Augen ist es ein Schritt hin zur Entwicklung von digitaler Bildung und zeitgemäßem Unterricht.

Wenn man aber auf Twitter Bedenken äußert (oder nur mal Frust über die schulische Ausstattung loswerden will), ist gleich immer die Rede von Verhinderungsdiskursen.
Kleines Beispiel:

Es ging darum, dass ich nicht gewillt bin, das nicht gerade üppige Referendariatsgehalt in Beamer zu investieren. Und dass ich selbst dann, wenn ich einen Beamer hätte, nur begrenzt im Sinne der digitalen Bildung arbeiten könnte, da tatsächlich (ich habe es auch nicht glauben wollen!) nicht alle Schüler ein Smartphone besitzen. Und wenn alle Schüler ein Smartphone besitzen, dann haben nicht alle eine Datenflatrate.
Womit wir wieder bei dem Punkt der Kosten wären: ich kann nicht für alle Schüler Hotspot zur Verfügung stellen. Und nein, wir haben kein WLAN.
Natürlich können die Schüler bei gewissen Bearbeitungsaufgaben auch ein Handy gemeinsam nutzen, natürlich können die Schüler sich auch gegenseitig mit Hotspot aushelfen.
Was mich aber ärgert: all das wurde erstmal als Verhinderungsdiskurs abgestempelt.
Oder aber es wurde darauf hingewiesen, dass man eben selbst dafür eintreten muss. Ich habe aber als Referendarin nicht den Stand, dass ich zur Schulleitung gehen kann und meine Forderungen stellen kann. Das funktioniert nicht.
Kurzum: man verliert die Lust, sich überhaupt daran zu wagen, mal etwas auszuprobieren.

Aktueller Stand: nach den Ferien kann ich endlich unseren alten Beamer in der Schule nutzen.
Das bedeutet zwar ne Menge Schlepperei, jede Menge Kabelsalat, aber was nimmt man nicht dafür in Kauf, um nicht als schlechter Lehrer dazustehen?

Oh. Moment. Das bin ich ja immer noch, wenn ich das alles nur für kahoot, answergarden und learningsnacks verwende.

Aber ganz ehrlich? Es ist doch ein erster Schritt.
Als nächstes nehme ich mir dann wieder das Buch von @phwampfler vor und schaue, was noch so möglich ist. Schritt für Schritt.
Auch wenn ich in der Zwischenzeit eben eine schlechte Lehrerin bin.

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8 Gedanken zu „Schlagworte

  1. Digitale Bildung ist nicht das A und O. Nur weil alle Klassenzimmer digital ausgestattet sind, wird der Unterricht nicht besser. Z. B. Hat auch eine ganz normale Tafel ihre Vorteile (muss nicht erst hochgefahren werden, Programme geöffnet werden,…) ich denke hier ist es ebenfalls so, dass es die Mischung macht. Und man muss die Ressourcen der Schule ausnutzen. Wenn die schule keine Beamer hat, hat man eben keinen Beamer. Selbst als fertiger Lehrer muss man kein Geld in einen Beamer investieren.

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    1. Ich halte es auch nicht zwingend für das A und O. Wichtig ja, aber es macht in meinen Augen (ich hoffe, das kommt nicht anders rüber) keinen guten Lehrer aus. Dazu gehört deutlich mehr. Aber es wird einem eben dieses Gefühl vermittelt und das finde ich schade.

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      1. Das kommt gar nicht falsch rüber. Ich finde auch, dass ein guter Lehrer nicht über den Einsatz von digitalen Medien definiert werden kann. Und das mit dem Gefühl, dass auf Twitter vermittelt wird, ist mir auch bereits aufgefallen

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  2. Danke für diesen spannenden Beitrag aus einer interessanten Perspektive.

    Ich glaube aber, es gibt ein großes Missverständnis, was die Ebene der Kritik an FlippedClassroom, Kahoot, H5P & Co angeht. Ich habe die Zusammenhänge mal aufgeschrieben: https://axelkrommer.com/2017/10/02/lob-der-negativen-kritik/

    Wesentliche These: Die Kritik an Kahoot & Co zielt darauf ab, herauszufinden, ob solche Konzepte/Tools tatsächlich schon etwas wesentlich Neues (=Bildung unter den Bedingungen der Digitalität) bedeuten oder ob wir uns damit in Wahrheit weiterhin im alten (u.a. durch Ausbildungsrituale wie das Referendariat geprägten) System bewegen.

    Ob jemand eine gute oder schlechte Lehrerin ist, entscheidet sich auf einer völlig anderen Ebene.

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    1. Ich habe deinen Artikel gestern schon gelesen, nachdem meine TL voll von der Debatte war. Fand das alles auch sehr einleuchtend.
      Die Fragestellung, ob das nun eher das alte System im neuen Gewand oder aber ein neues System ist, ist das eine. Aber die Art, wie darüber gesprochen wird, ist eine andere.

      Denn das Gefühl bleibt.
      Das liegt natürlich immer an der Person selbst. Nur weil es bei mir so ankommt, dass ich damit eine schlechte Lehrerin sei, muss natürlich nicht auf alle zutreffen. Aber ich kann verstehen, dass es viele verschreckt (zeigt sich ja auch momentan in den Reaktionen auf Twitter auf diesen Artikel).

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  3. In sofern mache ich auch noch keinen richtig digitalen Unterricht. Ich nutze digitale Medien und erweitere so mein Medien-Portfolio etwas und nutze das, wie ich meine, auch sinnvoll aus.
    Ich halte meinen Unterricht als eine Möglichkeit, in die digitalen Medien einzusteigen ohne gleich den kompletten Unterricht umzukrempeln. Das können vor allem die Schüler nicht und die Eltern würden es auch nicht so einfach hinnehmen.

    Grüße, Birgit.

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  4. Danke für Deinen sehr persönlichen und interessanten Beitrag.

    Ich spüre da ein wenig Verwirrung raus, aber vielleicht ist das auch nur mein Problem. Ich stelle mir immer die Frage, wieso bei diesem Thema immer mit Schlagwörtern diskutiert wird. Kinder brauchen „digitale Bildung“. Und damit sind dann alle weiteren Diskussionen beendet. Dabei müssten sie da erst anfangen. Mit „was genau soll digitale Bildung bedeuten“? Meinen die Menschen damit, dass man den Kindern erklärt was Medien sind, wie Medien das bestimmen wie und was man diskutiert, wie sich Argumente usw. durch digitale Medien verändern, was das Smartphone mit den Belohnungszentren im Gehirn macht etc.?

    Wenn es das heisst, dann bin ich auch dafür. Aber genau das heisst es ja nicht. Sondern man glaubt, nur wenn man jetzt alles auf neue Medien umstellt, digitale Tafel, Smartphone usw., dann wird alles automatisch besser. Wird es aber nicht. Wahrscheinlich wird es schlechter.

    Nur schade, dass niemand weiter denkt. Welche Kultur haben wir? Welche Menschen mit welcher Bildung brauchen wir damit unsere Gesellschaft bestehen bleibt usw.?

    Vielleicht sind meine Gedanken dazu von Interesse: https://www.der-leiermann.com/ueber-bildung-01/

    Liebe Grüße,
    Thomas.

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    1. Medienkompetenz meint (zumindest nach meinem Verständnis) beides. Einerseits zu wissen, wie Medien funktionieren, aber gleichzeitig auch, wie sie zu benutzen sind. Oberfläche und Tiefe quasi.
      Aber ich glaube auch, dass man Kultur nicht davon trennen kann. Auch die digitalen Inhalte sind lange schon Kultur geworden. Sie prägen die Gesellschaft. Man sollte darüber hinaus auch Bücher, Gemälde usw. nicht vergessen, aber auch nicht alles Neue verteufeln.
      Zu der Frage der Verwertbarkeit: spannende Gedanken. Ich erlebe das in der Schule auch oft, dass die Kinder nur lernen wollen, was jetzt gerade Relevanz für sie hat (meist das, was in der Klausur dran kommen könnte…). Das ist unheimlich schade.

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