Unterricht planen: Jahresplanung

Unterricht war für mich aus Schülersicht häufig eine Ansammlung von verschiedenen Einzelstunden.
Dass im besten Fall eine Übersichtsplanung dahintersteckte, erschloss sich mir als Schüler nicht. Das lag wohl einerseits am Lehrer und seiner Planung, andererseits an meinem Desinteresse für diese Dinge.

Jetzt im Referendariat stehen wir vor der Herausforderung, für verschiedene Klassen und Fächer unseren eigenen Unterricht zu planen. Und das in verschiedenen Etappen:

Jahresplanung – Halbjahresplanung – Reihenplanung – Einzelstundenplanung

Ich hatte mir vorgenommen für meine vier Klassen wenigstens einen groben Plan zu erstellen. So richtig geklappt hat das allerdings nicht. Das hatte verschiedene Gründe:

  • Ich habe mich in Details verloren.
    Mir fiel es schwer, das Thema abstrakt zu denken und nicht direkt in die Unterrichtsplanung zu gehen. Dadurch kam ich nicht voran.
  • Ich hatte keinen Überblick.
    Welches Thema muss denn jetzt eigentlich wie behandelt werden? Was ist wichtig, was ist unwichtig? Was kann man verknüpfen?
  • Ich habe keine Erfahrung.
    Mir fehlt das Einschätzungsvermögen, wie lange ich für welches Thema brauche. Was kann man in zwei drei Stunden abhandeln, wofür braucht man gegebenenfalls länger?
    Damit einher geht auch der Wille zur Konsequenz. Wenn für ein Thema drei Wochen veranschlagt sind, dann sind es drei Wochen (und vielleicht eine Pufferstunde), aber nicht mehr.
  • Ich war überfordert.
    Die Vielzahl der Möglichkeiten, die meine Fächerkombination mit sich bringt, hat mich schlicht überfordert. Wir haben keinen schulinternen Lehrplan. Wir sind (gerade in Deutsch) komplett frei, was die Inhalte unseres Unterrichts angeht. Dementsprechend groß ist allerdings auch die Auswahl.

All diese Dinge führten dazu, dass ich am Ende doch nichts richtig zustande brachte.
Und das was ich geplant hatte (eine Reihe zum Thema Barock für die Oberstufe) stellte sich am Ende für die Lerngruppe als nicht tauglich heraus. Also musste ich das über den Haufen werfen und neu planen.
Aber auch in Französisch habe ich eine solche Planung nicht auf die Beine gestellt bekommen. Gerade in der Fremdsprache gehört für mich hier ganz klar das Leistungsvermögen bzw. Niveau der Klasse dazu. Ich kann mir zwar vornehmen, das passé composé in zwei Wochen vordergründig zu behandeln, aber das kann je nach Klasse auch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. In Französisch, wo ich aber als Grundlage das Buch und das Arbeitsheft habe, stresst mich die fehlende Planung weniger. Da sind die Einzelstunden dank der vorhandenen Materialien sehr schnell geplant.
In Deutsch hingegen, wo viel Zeit für die Materialsuche draufgeht, nervt es mich sehr, mich von Stunde zu Stunde hangeln zu müssen. Ich wollte gerne etwas Planungssicherheit haben, wusste aber nicht, wie ich dahin kommen sollte.

Ein weiteres Problem war die Frage des Mediums. Einen handschriftlichen Plan erstellen? Excel nutzen? Mich mit OneNote vertraut machen?
Nichts sagte mir so richtig zu. Mit nichts kam ich wirklich zurecht.
Und dann stellte uns eine Fachleiterin ihr System vor:
Eine handschriftliche Tabellenübersicht mit Klebezetteln.

So einfach – so gut!
Wahrscheinlich kann man genau das Konzept auch durch irgendein Programm ins Digitale übertragen, aber ich habe für mich gemerkt, dass es so momentan ganz gut funktioniert. Auch wenn ich normalerweise sehr für möglichst papierfreies Arbeiten bin.
Dennoch muss man sich auch hier erstmal einen Überblick verschaffen, was in einem Halbjahr thematisch bearbeitet werden soll. All die Themen notiert man auf kleinen Klebezetteln, die dann beliebig angeordnet und wieder getauscht werden können. Es ist wie ein Puzzlespiel, in dem man seine Stoffgebiete um feste Termine wie Ferien, Klassenfahrten, Wandertage, Prüfungen etc. herum plant.

IMG_7636

Ist der Plan vollständig und passt zu all den anderen Gegebenheiten, kann er natürlich digital festgehalten werden und die Vorlage anschließend für andere Klassen genutzt werden.
Außerdem kann man anschließend digital in die Detailplanung gehen und die einzelnen Reihen planen.

Für eine erste Übersicht kann ich die Methode momentan jedoch sehr empfehlen.
Aber es ist wie mit allen Dingen im Leben – auch die Arbeitsweise kann sich irgendwann wieder ändern.
Bis dahin bin ich jedoch weiter dankbar für diesen Tipp!

 

Aber auch diese Arbeitsweise löst nicht alle oben angesprochenen Probleme.
Das A und O ist, sich einen Überblick über die Themen zu verschaffen. Hierbei sollte man durchaus mal auf die erfahrenen Kollegen zugehen und nach ihren Planungen fragen. Meistens helfen sie da gerne weiter.
Diese Art der Planung hilft allerdings, die Stunden als Ganzes wahrzunehmen und sich damit weniger im Detail zu verlieren. Man legt fest, dass bspw. für den Roman die Welle fünf Doppelstunden veranschlagt sind. Anschließend hat man eben auch nur fünf Doppelstunden, die man im Detail zu planen hat. Man wird quasi zur Reduktion gezwungen, was durchaus Vorteile haben kann.

Habt ihr noch andere Tipps und Tricks, um jemandem, der noch ganz am Anfang steht, die Jahresplanung zu erleichtern?

Advertisements

8 Gedanken zu „Unterricht planen: Jahresplanung

  1. „Das lag wohl einerseits am Lehrer und seiner Planung, andererseits an meinem Desinteresse für diese Dinge.“ Nach meiner Erfahrung sehen die wenigsten Schüler (und Eltern) beim Lehrer ein planvolles/geplantes Vorgehen – und das, obwohl ich jedes Jahr zum Schulbeginn den Schülern meine Planung vorstelle.
    Ausgangspunkt deiner Planungen sollte schon der Lehrplan sein – ich finde es ein wenig verwunderlich, dass der Deutschbereich da so scheinbar frei agiert. Aber wenn es keinen schulinternen Lehrplan gibt, so gibt es doch zumindest Vorgaben vom Land: Was sollte am Ende welcher Klassenstufe an Wissen, Können oder besser Kompetenzen erlangt worden sein? Dann kommt erst die Frage, in welcher Form du das an/in den Schüler bringst. Danach kannst du über Stundenverteilung nachdenken. Die Zettelvariante finde ich sehr gut, um einen Überblick zu erhalten und auch noch flexibel zu bleiben – das fehlt mir beim digitalen Planen immer etwas.
    Eine Rückmeldung, ob deine Planung aufgeht oder nicht, bekommst du leider immer erst, nachdem der Plan abgearbeitet ist oder mehrfach umgearbeitet werden musste ;-) Du schreibst selbst, dass man sich Hilfe bei erfahrenen Kollegen suchen sollte – am besten nicht nur bei einem. Wenn es dir möglich ist, sammle die Jahresplanungen mehrerer Kollegen, dann bekommst du auch eher einen Blick/ein Gefühl dafür, welches Thema wie viel Zeit braucht. Beim Material (z.B. Ganzschriften) kannst du auch erstmal auf „bewährte“, weil methodisch oft sehr ausführlich ausgearbeitete Sachen zurückgreifen, die du später (mit mehr Erfahrung und Routine) ergänzen und/oder ersetzen wirst.
    Wenn du später einmal Klassen parallel unterrichtest, wirst du schnell feststellen, dass die beste Planung immer nur ein Provisorium ist, das ständig angepasst werden muss.

    1. Ich kann mich nicht erinnern, dass Lehrer uns ihre Planung vorgestellt hätten. Wobei ich das wirklich gut finde, wenn man das macht.

      Natürlich ist der Lehrplan Ausgangspunkt. Aber hier passierte genau das, was meine Planung erschwerte: es war mir noch zu abstrakt. Genau die Balance zwischen Abstraktion (die Kompetenzen) und Detail (die Inhalte) empfinde ich für mich als unheimlich schwierig. Ich weiß, dass die Schüler bspw. lernen sollen, argumentative Texte zu verfassen. Okay. Aber wie viel Zeit veranschlage ich? Das entscheidet sich meiner Meinung nach auch anhand der Form. Erörterungen zu Sachtexten? Erörterungen zu literarischen Texten? Essays? Es ist echt nicht so einfach. Aber ich glaube fest daran, dass da ein paar Jahre Erfahrung auch ungemein helfen werden.

      Dass die Planung natürlich kein Wundermittel ist und dadurch der Unterricht nicht zwangsläufig gut funktioniert ist klar, aber ein wenig Planung vermittelt doch ein gewisses Maß an Sicherheit. Allerdings nur solange es auch in gewissem Maße funktioniert. Wenn ich meine Planung (wie beim Barock) ständig umschmeißen muss, frustriert das eher.

  2. Ich kann nur sagen, dass ich mir das Thema immer erst theoretisch erschließe. Also wirklich eine Sachanalyse und wenn ich das habe, dann versuche ich alle Punkte zusammenzufassen. Am besten in einer sehr groben Mindmap. Die einzelnen Oberpunkte werden dann nach Umfang versucht noch kleiner unterteilt und so entsteht in etwa der Umfang, den das Thema einnehmen müsste. Die Idee mit der Visualisierung nach Wochenplänen mache ich digital, also per Übersichtstabelle, aber bei sowas kann das Whiteboard auch helfen.

    Ich gehe dabei auch nur grob mit dem Lehrplan um, damit ich nichts vergesse. Die wirkliche Struktur bringt nur etwas, wenn ich sie mir selbst erschlossen habe, sonst blicke ich nicht durch.

    Ich plane immer nur eine Methode oder zwei in einer Sequenz, die besonders geübt werden soll und sich für das Thema/den Inhalt anbietet. So erweitert man das Können auf Schüler und Lehrer Seite nach und nach und tastet sich ran.

  3. Was mich irritiert ist der fehlende schulinterne Rahmenplan. Unserer ist sehr gut und ausführlich, den lege ich meiner Planung zu Grunde. Außerdem orientiere ich mich in einem Fach am Buch – manchmal bieten die Verlage auch einen Rahmenplan an. Vielleicht wäre das als Orientierung gut? Im anderen Fach schreibe ich den ganzen Aufschrieb, den die Schüler am ende haben sollen, selbst auf.

    Generell, wenn ich den überblick habe, packe ich kleinere Pakete – meist versuche ich alles, was in einer Woche passieren soll, zusammenstellen. Diese wöchentliche Planung schreibe ich am pc auf und for bekommen bei mir die Schüler. Da habe ich quasi die Reihenplanung. Da stehen auch schon Leistungskontrollen mit drin. Aber ich sage immer, dass es nur ein Plan ist, der gegebenfalls angepasst wird.

    1. Mir wurde auf Nachfrage gesagt, dass es den nicht gibt. Grundlage bildet einfach nur der Lehrplan. Klar gibt es einige Kollegen, die sich absprechen, aber das war es auch schon.
      Unser Buch hilft mir nicht richtig weiter. Das ist Muttersprache Deutsch und das Lesebuch dazu. Ich mag die Bücher überhaupt nicht und mein Fachleiter hält auch nicht sonderlich viel davon.
      Was die Schüler am Ende haben sollen kriegen sie auch oft von mir. Oder aber wir schreiben es gemeinsam auf.

      Ich traue mir nicht recht zu, meinen Schülern die Planung zu geben, weil sich doch immer wieder elementar was ändert. Aber es ist mein Ziel, da mal hinzukommen, den SuS die Planung geben zu können.

      1. Bei mir hat es die Mentorin im Ref gewünscht und ich fand es gut und hilfreich. Bei mir ändert sich auch immer mal was. Aktuell schiebe ich Themen sogar zwischen zwei Klassenstufen hin und her. Ich begründe es den Schülern und fertig. Dadurch sehen sie ja auch, dass ich alles vorbereite und plane und eben Pläne auch mal nicht passen können.

  4. Bin gerade ebenfalls irritiert wegen des fehlenden schulinternen Curriculums. Unseres treibt mich schon in den Wahnsinn wegen der Unübersichtlichkeit, aber ohne wäre ich komplett aufgeschmissen.

    Jedenfalls… Ich habe mir Anfang diesen Jahres erstmal einen Überblick über die zur Verfügung stehende Zeit verschafft. Wie viele Wochen bis zu den Herbstferien, wie viele bis zu den Weihnachtsferien, wann ist Notenschluss. Dann habe ich geklärt, wie viele Klassenarbeiten ich schreiben und wie viele Lektüren ich behandeln muss, und was sonst noch an zu vermittelndem Stoff nebenher anfällt.
    Und dann habe ich tatsächlich geguckt, was gut in welche Zeitspannen passt. Zu vermitteln, wie man eine schriftliche Stellungnahme verfasst, kostet nicht ganz so viel Zeit wie das Lesen einer Ganzschrift, finde ich.
    Teilweise habe ich mich auch noch an den Stoffverteilungsplänen der Schulbücher orientiert. Ich finde, die geben zumindest schonmal eine grobe Anzahl zu veranschlagender Stunden vor.

    Alles in allem bin ich aber noch lange nicht da, wo ich hin will. *Kopfkratz*

    1. Also vielleicht sollte ich da doch nochmal nachfragen :D

      Aber: festgelegte Zahl an Klassenarbeiten? Festgelegte Zahl an Lektüren? Gibt es hier alles nicht!
      Ich habe mich am Anfang halt ganz schön verrannt, kam nicht voran, war frustriert und habe aufgegeben. Aus den genannten Gründen.
      Mir fehlte bis zu dem Tipp der FL auch das richtige Medium. Das jetzt finde ich aber wirklich praktikabel, weil man schnell tauschen kann und einen kompletten Überblick hat.

      Du hast doch auch noch Zeit. Ganz ehrlich: es kommt sicher mit der Zeit. Und was du da schreibst, klingt bisher doch wirklich gut :)

Kommentare sind geschlossen.