Maschinen

Manchmal habe ich den Eindruck, dass Kollegen die Schüler als Maschinen sehen, in die sie möglichst viel reinpressen müssen, damit dann wieder irgendwas rauskommt. Am besten arbeiten die Maschinen ständig mit, sind konzentriert, melden sich, quatschen nicht rein und bringen gute Leistung.
Natürlich freue ich mich auch, wenn meine Schüler mitmachen, aktiv sind und etwas lernen. Aber ich versuche auch immer, meine Schüler als Mensch wahrzunehmen. Mir ins Gedächtnis zu rufen, dass sie alle noch Kinder sind.

Kinder, die gedanklich manchmal ganz woanders sind, wenn die hübsche Klassenkameradin ihr Haar nach hinten wirft.
Kinder, die manchmal zu müde sind, um mitzuarbeiten, weil sich Vater und Mutter wieder die halbe Nacht gestritten haben.
Kinder, die keine Hausaufgaben haben, weil es daheim niemanden interessiert, ob sie die gemacht haben.
Kinder, die wütend und bockig sind, weil sie Aufmerksamkeit wollen, die sie von ihren Eltern nicht kriegen.
Kinder, die sich widersetzen, weil es zu ihrer Natur gehört, Grenzen auszutesten.
Kinder, die bei schlechten Noten in Tränen ausbrechen, weil ihnen selten jemand sagt, dass sie mehr sind als nur das.

Ich sehe meine Schüler.
Sehe, wenn sie blass um die Nase sind, weil es ihnen gerade nicht gut geht.
Sehe, wenn sie verquollene Augen haben, weil sie irgendwas bedrückt oder sie die halbe Nacht vor dem Computer hingen.
Sehe, wenn sie sich über etwas freuen und es am liebsten mit allen teilen würden.

Ich rede gerne mit meinen Schülern. Auch außerhalb des Unterrichts. Wenn ich den Eindruck habe, dass sie etwas bedrückt, frage ich nach. Ich bohre nicht, zeige aber, dass ich sie sehe. Frage nach ihren Interessen, Träumen, Wünschen. Mache mit ihnen dumme Witze, scherze mit ihnen. All diese kurzen Momente zeigen ihnen, dass da jemand ist, der sie sieht, der ihnen auch zuhört, wenn sie es brauchen.

Genau solche Momente machen den Beruf so wunderbar, so vielseitig, aber auch so anstrengend.
Wir alle sollten unsere Schüler als Schüler wahrnehmen.
Als Menschen, als Kinder und nicht als Maschinen.

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