Alles Twitter, oder was?

„Referendare, die bloggen und twittern, erhöhen die Chance auf bessere Noten.“

Eine recht provokante Aussage von Bob Blume, der auf die Wichtigkeit der eigenen Reflexion und der Beschäftigung mit digitaler Bildung abzielt.
Im Rahmen seines Podcasts der Referendarsflüsterer thematisiert Bob auch im Gespräch mit Jan Vedder das Thema Twitter und Vernetzung.

Das Lesen des Artikels und das Anhören der Podcastfolge haben mich zum Nachdenken gebracht. Dabei soll es gar nicht zentral um die oben zitierte Aussage gehen, sondern eher um die Frage, wie es mir auf Twitter ergangen ist. Kann ich anderen Referendaren wirklich empfehlen, sich auf Twitter zu vernetzen? Oder gar mit dem Bloggen anzufangen?

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, warum ich auf Twitter gekommen bin. Wahrscheinlich habe ich mich in Vorbereitung auf den Beginn des Referendariats durch sämtliche Blogartikel gewühlt und bin dann irgendwie mal über Twitter gestolpert.
Die Erinnerungen an die Anfangszeit sind recht diffus. Man begann dem einen oder anderen zu folgen, begann mit anderen zu interagieren. Man konnte Fragen stellen und sich sicher sein, dass irgendwer sicherlich eine Antwort bzw. eine Idee hatte.
Nebenbei begann ich diesen Blog.
Ich ließ mich von all dem inspirieren, was ich gelesen hatte und versuchte mich daran, mit Schülern gemeinsam einen Blog zu gestalten.
Es war wie ein Sog.
Es gibt eigentlich nichts, was Twitter nicht weiß.
Und wenn Twitter es nicht weiß, dann weiß Twitter, wo man es herausfindet.
Es entstand ein Netzwerk. Zentrales Thema war und ist: Schule und Bildung.
Ein neuer Aspekt war dabei das Thema der digitalen Bildung.
Dazu gibt es jede Menge Input.
Der Sog lies nicht nach. Man versuchte zu kompensieren, was einem das Seminar nicht beibrachte. Von SAMR oder den 4K habe ich bis heute im Studienseminar kein Wort gehört!

Doch irgendwann wurde es zu viel.
So viele tolle Lehrer! So viele tolle Ideen! So spannende Konzepte!
Man selbst hatte zu tun, den Ansprüchen der Fachleiter und Mentoren gerecht zu werden. Zeit für die Umsetzung solcher Ideen blieb kaum. Und wenn die Zeit da war, dann war die Infrastruktur einfach nicht gegeben.
Manchmal fühlte man sich unzulänglich. Andere Lehrer waren so kreativ, gaben sich so viel Mühe, machten so tolle Sachen mit ihren Schülern.
Und ich? Ich arbeite ganz simpel Lektion für Lektion ab.
Der Sog lies nach und der Enthusiasmus ebenfalls.

Mittlerweile habe ich einen anderen Blick auf Twitter.
Ich habe verstanden, dass auch hier die Lehrer nur mit Wasser kochen. Dass sie die ganzen tollen Ideen zwar umsetzen, aber genauso andere Stunden halten.
Nur darüber wird eben nicht geschrieben.
Der Sog ist entspannter. Man lernt zu sortieren, was für einen jetzt wichtig ist und was als Idee taugt, die man im Hinterkopf behalten sollte.

Was hat mir Twitter gebracht?
Jede Menge Inspiration.
Einen anderen Blick auf Schule und Lernen.
Viele tolle Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.
Unterstützung in allen Dingen.
Ich mag es nicht mehr missen.
Aber ich kann die Skepsis anderer Referendare verstehen. Denn: um auf dem Laufenden zu bleiben, um sein eigenes Netzwerk zu pflegen und in Kommunikation mit anderen zu treten, braucht es eben auch Zeit. Die muss man gewillt sein, zu investieren.
Gleichzeitig kann einem Twitter aber auch in vielen Dingen Zeit ersparen. So sprach Bob in seinem Podcast beispielsweise das Thema Kreativität an. Bevor man selbst stundenlang vor den Unterrichtsentwürfen sitzt und einem vielleicht kein kreativer Einstieg einfallen will, fragt man auf Twitter nach. Irgendwer wird sicherlich mit einer Idee um die Ecke kommen. Außerdem kann man selbst seine Ideen einbringen, wenn jemand anders Inspiration braucht.
Ebenfalls von Vorteil sind die vielen Perspektiven. Denn anders als in Gruppen mit Referendaren (bspw. auf Facebook oder auch innerhalb des Seminars), hat man hier den großen Vorteil, dass Lehrer helfen, die den Job schon seit Jahren machen. Teilweise waren sie sogar selbst mal Fach- oder Seminarleiter oder Mentoren von Referendaren.
Diese Vielfältigkeit findet man nur schwerlich in seinem stillen Kämmerchen, wenn man über seinen Lehrbüchern hängt!

Was hat mir der Blog gebracht?
Mir hilft der Blog, mich zu fokussieren.
Aber ich wollte auch Ideen teilen, Leuten Einblick in mein Referendariat verschaffen. Positiv sind natürlich ebenfalls die vielen Rückmeldungen. Gerade im Referendariat bleiben positive Rückmeldungen oft aus. Aber auch wertschätzende Kommunikation ist manchmal Mangelware. Umso schöner, wenn man hier positive, aber auch konstruktive Rückmeldungen zu seinen Ideen bekommt.
Doch der Blog erfüllt auch einen anderen Zweck: er zeigt mir, was ich gelernt habe. Es ist quasi eine Art Tagebuch, das meine Entwicklung aufzeigt. Somit schult er meine Reflexionskompetenz enorm. Darüber schrieb ich bereits.

Kann ich anderen Referendaren wirklich empfehlen, sich auf Twitter zu vernetzen? Oder gar mit dem Bloggen anzufangen?
Das war die Ausgangsfrage.
Ja.
Nein.
Vielleicht.
Am Ende muss ich mich da Bob und Jan anschließen:
Ich würde anderen Referendaren empfehlen, es auszuprobieren. Der Sache wenigstens eine Chance zu geben. Wenn man mir am Anfang erzählt hätte, welches Potenzial in Twitter steckt, hätte ich wohl genickt, versprochen, es auszuprobieren und es dann wieder vergessen.
Jaja. Mach du mal. Ich habe dafür keine Zeit. 
Ich hatte das große Glück, noch vor dem Beginn des Referendariats auf Twitter zu stoßen. Zu einer Zeit, als ich selbst noch nicht so sehr eingespannt war und Zeit hatte, mich in Ruhe umzuschauen. Aber ich kann auch die Referendare verstehen, die mittendrin zwischen Lehrproben und Examen und normalem Unterricht vielleicht kein Land sehen und sich nicht noch damit befassen wollen.
Ob andere Referendare bloggen sollten?
Dazu schrieb ich sehr spontan schon hier ein paar Worte: Bloggen? Ich?
Aber es ist nicht nötig, all die Gedanken zu veröffentlichen. Man kann sich genauso gut einen Zettel und einen Stift schnappen und seine Gedanken so zu Papier bringen. Egal auf welche Weise man es macht, man sollte sich die Zeit dafür nehmen, denn Reflexion ist wohl die Kernkompetenz des Referendariats.

Also: probiert es aus!

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